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Die Katastrophe von Tschernobyl : Mogilower Echo

A. R. Stolin, V. N. Selivanov

Als Ergebnis der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl, die als Super - GAU gilt, wurde die Umwelt mit nicht weniger als 180 Millionen Curie radioaktiver Stoffe belastet (nicht ein gerechnet der Radioaktivität einiger Tonnen des Kernbrennstoffes, der in der Nähe des Atomkraftwerkes niederging). Die Katastrophe im 4. Reaktor -Block des AKW geschah in dem Moment, als die Anhäufung radioaktiver Spaltprodukte im Reaktorkern am höchsten war. Das Leck im Reaktor, der Brand und die große Explosion führten dazu, daß radioaktive Stoffe in die Stratosphäre gelangten, was im weiteren die Ausbreitung der radioaktiven Wolke und ihrer Partikel über große Entfernungen begünstigte. Die Situation wurde durch den Um stand noch verschlimmert, daß der zerstörte 4, Reaktorblock noch einige Wochen die Umwelt radioaktiv verseuchte, bevor er durch den "Sarkophag" eingeschlossen wurde (nicht völlig sicher, wie sich jetzt herausstellt);

Von den 180 Millionen Curie, auf die man die gesamte frei gesetzte Radioaktivität schätzt, entfallen auf die radioaktiven Isotope Cäsium etwa 4 Millionen Curie und Jod etwa 15 bis 17 Millionen Curie. Freigesetzt wurden mehr als 200 Arten von Radionukliden ,von denen Jod, Cäsium und Strontium wasserlöslich sind und so in die Nahrungskette des Menschen gelangen können. In den ersten Tagen nach der Katastrophe trugen die Isotope mit kurzer Zerfallszeit (wie Jod 131 und Strontium 89) und Edelgase (Xenon 133) den Hauptanteil der Strahlungsdosis. In der heutigen Zeit haben die Isotope Cäsium 137 und 134 einen großen Anteil an der Masse radioaktiver Partikel, weniger je doch Strontium 90 und ebenfalls die Transurane Plutonium 239 und 241 (1). An dieser Stelle sollte daran erinnert werden, daß die Halbwertszeit von Cäsium 134 2,06 Jahre beträgt, von Cäsium 137 30 Jahre, von Strontium 90 29,12 Jahre, von Plutonium 239 24.390 Jahre und von Kohlenstoff 14 5.730 Jahre, Die Radioaktivität dieser Nuklide vermindert sich auf ungefährliche Grenzwerte (ein Tausendstel) in 10 Halbwertszeiten, Nach Prognosen von Fachleuten stellt Americium 241 , das sich als Zerfallsprodukt von Plutonium 241 angehäuft hat, im Moment und in den kommen den Jahrzehnten eine schwer wiegende Bedrohung dar (2). Die Bestrahlungsdosis der Bevölkerung, die auf verseuchtem Territorium lebt, setzt sich aus von außen kommenden Gamma - Strahlen und innerer radioaktiver Strahlung, die in den Organismus durch Luft, Nahrung und Wasser gelangte, zusammen.

Infolge der geographischen Nähe zu Tschernobyl haben die südlichen Gebiete Weißrußlands - das Gebiet Gomels und das Gebiet Mogilev - besonders stark gelitten. Dies wurde auch durch den kräftigen Wind begünstigt, der in den ersten Tagen nach dem Unfall in nördlicher Richtung wehte.

Als Ergebnis der Katastrophe wurden in fünf von sechs Gebieten Weißrußlands große Flächen mit einer Kontamination durch Cäsium 137 von mehr als 1 Curie/qkm - etwa 40.000 qkm - festgestellt, dar unter 2,200 qkm mit einer Kontamination von mehr als 40 Curie/qkm, Auf dem verseuchten Territorium lebt in 3.668 Ortschaften, darunter auch in 53 Städten, ein Fünftel der weißrussischen Bevölkerung, d, h, mehr als 2 Millionen Menschen. Von den 21 Kreisen des Gebietes Mogilev wurde in sechs eine Kontamination mit Radionukliden von mehr als 15 Curie/qkm festgestellt (3). Praktisch das gesamte untersuchte Territorium unserer Gebiete ist durch radioaktive Partikel, die aus den Brennelementen stammen, verseucht worden. Experimentell wurde der inhalative Eintritt dieser Partikel in den menschlichen Organismus bestätigt, Ihr Vorhandensein im Organismus führt zu hohen lokalen Strahlenbelastungen, insbesondere durch Alpha - Strahlung. Radioaktive Partikel wurden in 50% der Lungengewebeproben gefunden, die verstorbenen Einwohnern des Gebietes Mogilev entnommen wurden. Die Kontrolle der radioaktiven Kontamination des Fluß- und Seen Systems im Gebiet Mogilev zeigte in allen Wasserproben, daß das Vorhandensein von beim Unfall von Tschernobyl freigesetzten Radionukliden mit der Höhe der Bodenkontamination korreliert.

Die Strahlungsdosen, die weißrussische Bevölkerung erhielt, hätten geringer sein können, wenn in den ersten Tagen nach der Katastrophe in den Regionen, in denen stark erhöhte Gamma - Strahlung bemerkt wurde, die einfachste Schutzmaßnahme - die Pro phylaxe mit Jod - durchgeführt und die Bevölkerung dieser Regionen rechtzeitig gewarnt worden wäre, den Aufenthalt im Freien sehr stark einzuschränken, Indessen erfolgte, trotz der "Epoche von Glasnost und Perestrojka", die Information Über die Katastrophe mit einigen Tagen Verspätung. Die Prophylaxe mit Jod in den kontaminierten Gebieten wurde nicht überall und wenn mit großer Verspätung durchgeführt, das machte sie vollkommen unwirksam, Und am 1 . Mai 1986, wie auch in den Jahren zuvor, nahm die Bevölkerung dieser Gebiete - Erwachsene wie Kinder - an den Festkundgebungen auf Plätzen und Straßen teil. Die Höhe der Gamma - Strahlung erreichte dort 600 bis 1000 und mehr Mikroröntgen/Std. So war es in Mogilev. Uns ist kein Fall bekannt, wo die örtlichen Behörden in Weißrußland den Mut fanden, eine Veranstaltung abzusagen. In den darauffolgenden Monaten und Jahren waren die Behörden bestrebt, den Um fang der Katastrophe und die Folgen für die Gesundheit herunterzuspielen, Es wurde in der ersten Zeit versucht, besonders beunruhigende Informationen Über das Vorgefallene geheimzuhalten. Dies traf auch auf medizinische Informationen zu.

Es kam zu einem rätselhaften Verschwinden großer Geld summen, darunter waren auch Devisen, die zur Beseitigung der Folgen gedacht waren. Maßnahmen zur Umsiedlung der Bevölkerung aus einer Reihe besonders stark kontaminierten Siedlungen wurden äußerst langsam und planlos vorgenommen. Dafür steht die Geschichte der Siedlung "Mir" im Gebiet Mogilev. Die Siedlung wurde für Umsiedler aus den kontaminierten Gebieten gebaut. Es zeigte sich jedoch, als die Siedlung fertiggestellt war, daß sie sich in einem Gebiet befand, dessen Grad der Verseuchung mit Radionukliden kaum dem der Zone nach stand, aus der die Bewohner angesiedelt wurden.

Die Gesundheitseinrichtungen, die den Opfern der Katastrophe Hilfe leisten sollten, wurden und werden ebenso schlecht medizinisch versorgt, wie die speziellen Versorgungs Maßnahmen ( beispielsweise Labormäßige ), die für das Screening der Bevölkerung Mogilev seit mehr als drei Jahren aus offiziellen Kanälen keine Diagnostik zum Radio - Immunassy und Immunfluoreszenztest des Schild drüsenhormonsder Hypothese bekommen. Diagnostik für den Radio - Immunassy von mikrosomalen Thyreotrozyten Antikörper erhielt es trotz mehrfacher Anforderung niemals.

Die Problemlösung zur individuellen Dosimetrie verzögerte sich.

Die "Reinheit" von Nahrungsmitteln, die sowohl in staatlichen Geschäften als auch auf den Märkten verkauft werden, wurde nicht streng genug kontrolliert.

Die Position der Internationalen Atomenergie - Organisation (IAEA) ist pro Atom. Deren Bericht vom 21 . Mai 1991 , der Bewältigung der Folgen des Unfalls von Tschernobyl und der Bewertung der Schutzmaßnahmen gewidmet ist, enthält unbegründet optimistische und verharmlosende Schlußfolgerungen, Der Bericht wurde parteiisch, unwissenschaftlich und bestimmten politischen Zielen zuliebe zusammengestellt (4).

All das und noch vieles andere mehr half weder bei der adäquaten Bewältigung der Folgen der Katastrophe von Tschernobyl noch bei einer Verringerung der Strahlenbelastung, der die Bevölkerung der betroffenen Regionen ausgesetzt ist.

Die Einschätzung der medizinischen Situation, die sich nach der Katastrophe von Tschernobyl in den kontaminierten Regionen bildete, wird ebenso wie die Versuche, einen Kausalzusammenhang zwischen den festgestellten Gesundheitsstörungen und der Katastrophe herzustellen, durch eine Reihe von Umständen erschwert.

Die diagnostischen Methoden, mit deren Hilfe die Bevölkerung der kontrollierten Regionen heute unter sucht wird, sind nicht zu vergleichen mit denen, die bis 1986 angewandt wurden (so z, B. der Nachweis von Thyreoglobulin im Serum, von Thyreoglobulin - Antikörper und mikrosomalen Antikörpern sowie Ultraschall Untersuchungen der Schilddrüse, die im Gebiet Mogilev erstmals nach der Katastrophe von Tschernobyl an gewandt wurden).

2. Jetzt untersucht man verstärkt in den verseuchten Gebieten große Gruppen von Menschen, was verständlicherweise einer besseren Feststellung verschiedener pathologischer Zu stände dient.

3. Das medizinische Personal, das zu diesen Arbeiten her angezogen wird, ist besser ausgebildet und besser dar auf ausgerichtet, konkrete Anomalien festzustellen, als früher. Und selbst die ärztlichen Untersuchungen sind sorgfältiger. Außerdem wird die Analyse dadurch erschwert, daß es eher zu einer durch die Katastrophe aus gelösten Abwanderung der jüngeren Bevölkerung und dadurch zur künstlichen Alterung der in den verseuchten Regionen verbleiben den Bevölkerung kommt. Folglich kommt es zur Änderung der Krankheitsstruktur. Die mit radioaktivem Fallout verseuchten Regionen unserer Gebiete liegen in einer Jodmangelzone, deshalb sind die festgestellten Veränderungen der Schilddrüse nicht immer leicht in Beziehung zur Wirkung des radioaktiven Jods, das von den Bewohnern der verseuchten Regionen aufgenommen wurde, zu setzen .

Als mehr oder weniger korrekt kann man die Ergebnisse einer Vergleichsanalyse zur Gesundheit. der Bevölkerung aus den verseuchten Regionen ansehen, die in den Jahren nach dem Reaktorunfall durchgeführt wurde, als die Bedeutung einer Reihe von o. g. Faktoren, die einen Einfluß auf die Analyse haben, noch minimal war. Im vorliegenden Bericht werden wir hauptsächlich auf die Pathologie der Schilddrüse in Weißrußland und im Gebiet Mogilew nach der Katastrophe von 1986 ein gehen, nicht nur weil die Autoren mit diesem Problem befaßt sind, sondern auch weil die Schilddrüse ein Organ ist, über dessen pathologische Vergrößerung man heute besonders im Zusammenhang mit der Katastrophe von Tschernobyl hinlänglich konkret sprechen kann.

Am 10. Mai 1986 betrug in einzelnen Zonen unserer Gebiete der Anteil des radioaktiven Jods bis 80% der Strahlungsdosis. Dazu kam, wie oben schon erwähnt, der Niederschlag von Jod 131 auf Strumagebiete. Dies bedingte eine sehr hohe Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse und folglich eine hohe absorbierte Dosis. Um die erhaltene Strahlungsdosis abzuschätzen, wurden 250.000 Messungen der Schilddrüse durch geführt. Auf deren Grundlage konnte man die individuelle Strahlungsdosis bei 90.000 Menschen rekonstruieren. Besonders hoch war diese Dosis bei Bewohnern des Gebietes Gomel. So erhielten Kinder im Alter von bis zu b Jahren, die in einem Kreis dieses Gebietes leben, auf die Schilddrüse eine Dosis von durchschnittlich 469 Zentigray ; 5% dieser Kinder bekamen mehr als 1000 Zentigray, Im Gebiet Mogilev er hielten 5% der Kinder mehr als 1000 Zentigray, Die Gegenüberstellung der durchschnittlichen Strahlungsdosis der Schilddrüse verschiedener Altersgruppen der Bevölkerung zeigte, daß die Dosishöhe bei Kindern drei- bis zehnmal so hoch ist wie bei den Erwachsenen (1).

Im Verlaufe von 7 1/2 Jahren, die seit der Katastrophe vergangen sind, werden zehn Tausende Kinder und Erwachsene, die in kontaminierten Regionen leben, klinisch, labormäßig und apparativ unter sucht. Die Untersuchten sind jedes Jahr aus der gleichen Altersgruppe, Vor allem sind es Kinder aus Kreisen mit einer Bodenverseuchung durch Cäsium 137 von 5 und mehr Curie/qkm. In unserem Gebiet werden Sonographie und Feinnadelaspirationsbiopsie der Schilddrüse durchgeführt. Es werden im Serum Schilddrüsenhormon- und TSH- Spiegel bestimmt sowie Titer der mikrosomalen Antikörper der Thyreoiditis ( immunochemisch und fermentativ ) und der Thyreoglobulin - Antikörper.

Bis zum Jahre 1986 wurde eine Vergrößerung der Schilddrüse bei Kindern im Alter von 7 bis 14 Jahren aus dem Gebiet Mogilev in 10-20% der Fälle festgestellt, Im Jahre 1992 wurde in unterschiedlichen Kreisen dieses Gebietes eine Hyperplasie der Schilddrüse bereits bei 30-50% der Fälle registriert ( alle Daten wurden durch Palpation erhalten). Seit dem Jahr 1989 beobachtet man ein stetiges Anwachsen der Fälle von Autoimmun-Thyreoiditis. Im Jahre 1989 gab es in unserem Gebiet 16 Kinder mit diesem Leiden, 1991 waren es 70 Kinder und 1992 waren es 95 Kinder, Bei Erwachsenen stieg die Zahl der an Hypothyreose Erkrankten an (im Jahr 1986 erkrankten, jeweils auf 100.000 Einwohner bezogen, 1,6 Erwachsene, 1990 6,7 und 1992 6,0), ebenso bei Kindern (in denselben Jahren waren es jeweils 0,3, 1 ,7 und 2,0, jeweils auf 100.0Q0 Kinder bezogen). Knotenbildung der Schilddrüse wurde durch Screening mit Sonographie bei 1 ,2-1 ,5% der Untersuchten fest gestellt.

Bis zum Jahr 1990 wurden in diesem Gebiet keine Fälle von Schilddrüsenkarzinom bei Kindern im Alter von bis zu 14 Jahren registriert. Zwei Fälle wurden 1990 registriert, und jeweils ein Fall in den Jahren 199i und 1992 (die Diagnosen wurden durch Operation bestätigt). Im Gebiet Gomel, das näher an Tschernobyl liegt, war der Fallout von kurzlebigem Jod 131 bedeutend höher als im Gebiet Mogilev. Und dort übersteigt die Anzahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs deutlich die in unserem Gebiet. . Nach An gaben des weißrussischen Zentrums für Geschwulstkrankheiten der Schilddrüse wurden in Weißrußland in den Jahren 1981 bis 1985 ins gesamt 7 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern registriert, in der Zeit von ~ 986 bis 1990 wurden bereits 46 Fälle festgestellt. Von Januar 1990 bis Mai 1991 wurden 51 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern diagnostiziert, davon 29 in dem Gebiet Gomel. Zum Zeitpunkt des Unfalls waren von diesen Kindern 20 im Alter bis zu 5 Jahren. Insgesamt stieg in Weißrußland die Anzahl der festgestellten Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern von zwei im Jahre 1986 auf 75 im Jahre 1992; bei Erwachsenen von 152 im Jahre 1986 auf 312 im Jahre 1992.

Auf dem internationalem Symposium "Wirkung radioaktiver Strahlung auf die Schilddrüse" (1992 in Minsk) wurde einige Besonderheiten des Schilddrüsenkarzinoms dargestellt, mit denen sich die Onkologen Weißrußlands nach der Katastrophe von Tschernobyl befassen müssen:

Man muß auch einige Gesundheitsstörungen ansprechen, die mehr oder weniger mit der Katastrophe von Tschernobyl zusammenhängen. Nach Angaben des Weißrussischen Institutes für an geborene Erkrankungen und Erbkrankheiten stieg in den Regionen Weißrußlands, wo die Höhe der Strahlung 15 und mehr Curie/qkm beträgt, die Häufigkeit der Registrierung von angeborenen Erkrankungen bei sehr genauer Zählung im Vergleich zur Zeit vor dem Unfall auf 83% an. Hingegen unterscheidet sich in Gebieten mit einem Verseuchungsgrad von 1 bis 5 Curie/qkm diese Erhöhung fast nicht von der Kontrollgruppe (entsprechend 30% und 24°/a). Der Unterschied der gesamten Erkrankungshäufigkeit ist statistisch belegt der Korrelationskoeffizient ist kleiner als 0,05 (5). Ein weiteres Ergebnis der Katastrophe von Tschernobyl ist der in der Medizinstatistik von 1992 registrierte deutliche Anstieg von verschlepptem Lungenkrebs und verschleppter Lungentuberkulose in unserem und anderen Gebieten Weißrußlands , der höchstwahrscheinliche Grund für diesen Anstieg ist die starke Reduzierung von Röntge -ununtersuchungen, auch von prophylaktischen der Lunge, aus Furcht vor zusätzlicher Strahlenbelastung , natürlich zum Teil für die Ärzte , zum Teil für die Patienten.

Zum Schluß des vorliegenden Berichtes erlauben wir uns, einige Worte über die Probleme des Labors für Isotopendiagnostik im Gebietskrankenhaus Mogilev zu verlieren, da die Autoren dieses Berichtes eine direkte Beziehung zu diesem Labor haben. Dieses Labor war eines der ersten, die zur Bewältigung der Folgen der Katastrophe von Tschernobyl herangezogen wurden. Ab Mitte des Jahres 1986 wurde mit Massenuntersuchungen der Bevölkerung aus den kontaminierten Regionen begonnen. Diese Arbeit setzt sich heute noch fort. Da wir moderne Ausrüstungen zum Radio - Immunassy und zum Immunfluoreszenztest besitzen, haben wir, besonders in den letzten Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende der zentralisierten Devisenbewirtschaftung, große Schwierigkeiten bei der Beschaffung von entsprechen den Mitteln für diese Diagnosemethoden. Wir waren gezwungen, eine Reihe von Tests, die für die Gesundheitskontrolle der Bevölkerung in unserem Gebiet notwendig sind, einzustellen, und nur die Hilfe unserer Freunde im Ausland (USA und Finnland) erlaubt uns, das äußerste Minimum an Untersuchungen durchzuführen. Wir möchten unbedingt an dieser Stelle mit Dank an die Rolle des Arztes Ulrich Harder (Schleswig Holstein, BRD) und seiner Kollegen erinnern, die sich durch ihre humanitäre Hilfe die Dankbarkeit des medizinischen Personals unseres Gebietes und der Patienten erwarben. Die von ihnen mehrmals organisierten großzügigen Lieferungen von Medikamenten , Ausrüstungen und Diagnostik (insbesondere für den Immunfluoreszenztest von TSH im Blut und TCK-5 für die Perfusionszintigraphie der Lunge) helfen dem Gebietskrankenhaus Mogilev sehr, Diagnostik und Therapie auf einem befriedigenden Stand zu halten.

Der Umfang und die zu erwartenden Folgen für die Gesundheit der Opfer der größten ökologischen Katastrophe der Menschheitsgeschichte sind auf jeden Fall so, daß ohne internationale Zusammenarbeit der ernsthafte Versuch, diese Folgen zu bewältigen, purer Idealismus bliebe.

Quelle : Schleswig Holsteinisches Ärzteblatt Nr. /19


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