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Das Sommerprojekt 2003

In diesem Jahr kann wiederum keine archäologische Arbeit stattfinden, da kein Archäologe dafür freigestellt wird. Die Überlegung war, zunächst das Projekt Zborow zu beenden, bevor am "Dobroje Osero fortgesetzt wird, weil sich nach der letzten Ausgrabung abzeichnete, dass dort für eine gründliche Arbeit ein Zeitraum von mindestens 10 Jahren anzusetzen ist und auch die erste Grabung derartig viele Fundstücke lieferte, dass die Auswertung noch immer nicht abgeschlossen ist. Für das Objekt Zborow sind jedoch die Archäologen aus Gomel zuständig und diese sind noch in diesem Jahr wohl vor allem auf Grund eines Präsidentenerlasses bei der (schon eine Ewigkeit dauernden) Rekonstruktion des Rumjanzew-Paskewitsch-Palais im Zentrum von Gomel gebunden. Allerdings ist mit dem heimatkundlichen Bezirkszentrum, dem auch die Archäologen unterstehen, bereits eine Absprache getroffen, die Zborower Ausgrabung im Sommer 2004 fortzusetzen.

Daher haben wir uns entschlossen, auch in diesem Jahr eine Denkmalanlage zu rekonstruieren bzw. wieder herzurichten. Da im vergangenen Jahr im Rayon Rogachev gearbeitet wurde, sollte sich das Objekt diesmal im Rayon Korma befinden. Die Landkreisverwaltung hatte einige Objekte, die in Betracht kamen und wo es auch notwendig ist, auszuwählen. Im Allgemeinen sind solche Denkmale in einem gepflegten Zustand aber es gibt doch in einigen Dörfern welche, die eine Grundinstandsetzung nötig haben, wie dies ja auch im vergangenen Jahr der Fall war.

Durch die Landkreisverwaltung von Korma wurde das Objekt Litwinowitschi vorgeschlagen und nach einer vor Ort Begehung angenommen. Da dieses Objekt eine Dimension hat, die die des Vorjahres erheblich übersteigt, war bereits bei der Besichtigung klar, das kein weiteres Objekt in Frage kommt.

Das Dorf Litwinowitschi liegt etwa 8 km von der Kreisstadt Korma entfernt, es hat etwa 1800 Einwohner. Fast alle Häuser des Ortes befinden sich entlang der Hauptstraße, so dass sich der Ort über einige Kilometer erstreckt. Ebenfalls an der Hauptstraße befindet sich die Schule des Ortes und zwischen Straße und Schule ein dreiteiliges Denkmalensemble, das von einem niedrigen Metallzaun umgeben ist und durch den Zugang zum Schulgebäude geteilt wird. Die größere Fläche, die gleichzeitig bei besonderen Anlässen als eine Art Apellplatz genutzt wird (beispielsweise zu Einschulungen oder Schulentlassungen) hat eine Fläche von etwa Quadratmeter. Dominiert wird diese mit ca. 50 x 50 cm großen Betonplatten ausgelegte Fläche auf der rechten Seite durch ein Denkmal für die Gefallenen des II. Weltkrieges mit der überlebensgroßen Skulptur eines Soldaten. Davor befinden sich drei große schwarz gepinselte Betonkästen, auf denen sich gravierte marmorähnliche Platten mit den Namen von Gefallenen befinden. Auf einem die Namen von Einwohnern Litwinowitschis, die im Kriege fielen, auf den beiden anderen die Namen derer, die bei den Kämpfen in und um Litwinowitschi gefallen sind.

Auf der äußeren linken Seite des Platzes steht ein schwarz gestrichener unbeschrifteter schlanker Betonsockel mit einer weiß lackierten Büste von Lepeschinski.

Der zweite Teil dieses Komplexes befindet sich links des Weges zum Schuleingang. Dort befindet sich eine durch Baumwildwuchs von weitem kaum erkennbare Büste eines hier gefallenen "Helden der Sowjetunion". Der Sockel, auf dem sich die Büste befindet, weist bereits eine Neigung von mehreren Grad zur Seite auf, da offenbar das Fundament nachgesackt ist.

Der Denkmalkomplex hat eine Standzeit von reichlich 30 Jahre, es sind zahlreiche, teilweise erhebliche Bauschäden ersichtlich. So befindet sich zwar ein ausreichendes Kiesbett unter den Platten, dass aber vermutlich auch nicht ausreichend verdichtet worden war. Rings um den Platz ist ein doppelter Steinsockel, der sich auf inzwischen teilweise zerfallenen Ziegeln gründet. Die Betonkante des Sockels ist stark verwittert.

Die Denkmalsockel waren ursprünglich mit Kacheln verkleidet, die allerdings nur noch jeweils auf der Rückseite erhalten sind, die anderen Flanken wurden mehrmals mit schwarzer Ölfarbe überstrichen. In der Beton-Skulptur des Soldaten selbst befinden sich mehrere, teilweise recht tiefe Risse.


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