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Probleme bei Projekten

Bei der Durchführung humanitärer Projekte ergeben sich zwangsläufig auch immer wieder Probleme. Dies betrifft nicht nur die Durchführung an sich, also beispielsweise Probleme der Zollabfertigung, der Transportdurchführung usw.

Ich habe bei der Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen bereits mehrmals den Eindruck gehabt, dass dort die humanitäre Hilfe zwar offiziell begrüsst wird, aber die Realisierung teilweise etwas anders aussieht. Teilweise entstand der Eindruck, dass sie dort aus dem Grunde nicht in jedem Falle willkommen ist, weil sie für die jeweilige Institution dann auch mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden ist - und der ist nicht in jedem Falle willkommen. Etwas anders sieht es da bei nichtstaatlichen Organisationen oder Vereinen aus, sicher, weil auch dort freiwillige Hilfe geleistet wird. Hinzu kommt, dass sich sicher vielfach auch lokale Schwerpunkte für Hilfslieferungen herausgebildet haben, andere Kreis dafür leer ausgehen. Ich vermute, dass eine der Ursachen fehlende Kontakte sind, andererseits vielleicht auch die Bequemlichkeit, eingefahrene Gleise zu verlassen.

Ein Beispiel:

Der Landkreis Rogachev (Obl. Gomel) im Südosten des Landes (ca. 500 km von Brest) erhält nach Angaben der zuständigen Bürgermeisterin allein aus 18 verschiedenen deutschen Landkreisen humanitäre Hilfslieferungen (hinzu kommen noch andere europäische Staaten). Dabei muss man aber beispielsweise noch berücksichtigen, dass sich im Lkrs. Köthen sich drei Organisationen oder in der Stadt Dessau sich mindestens zwei Organisationen um den Kreis Rogachev kümmern. Der Nachbarlandkreis Korma, 60 km von Rogachev entfernt, erhielt dagegen in den letzten acht Jahren wohl nur zweimal (1x aus Belgien, 1x aus Deutschland) humanitäre Hilfe. Dies mag daran liegen, dass dieser Landkreis schon im kontaminierten Gebiet liegt, andererseits direkt per Telefax und Telefon von Deutschland aus nicht erreichbar ist, was allein die Vorbereitung der humanitären Hilfe unheimlich erschwert.

Ein anderes Problem ist die zolltechnische Behandlung von Hilfsgütern. Oft genug habe ich inzwischen erlebt, dass am Empfängerort die Güter zwar recht zügig vom Zoll abgenommen wurden, dann aber sehr lange unter Zollverschluß blieben, mitunter länger als acht Wochen. Besonders problematisch bei Lebensmittel, vor allem wenn schon die Räumlichkeit ungeeignet ist (mir ist beispielsweise eine Lieferung Mehl dadurch unbrauchbar geworden, was sich leider nicht mehr verhindern liess.

Nachdem sich im vergangenen Frühjahr (2001) die Probleme mit der Stadtverwaltung in Rogachev gehäuft hatten, so dass sogar unser Kinderprojekt kurz vor dem Scheitern stand, ersuchte ich mehrmals um ein klärendes Gespräch mit der zuständigen Bürgermeisterin nach, die allerdings sich der anstehenden Thematik bewusst war. Zu diesem Gespräch kam es allerdings nicht. Auch ein entsprechender Brief an den Oberbürgermeister, Herrn Fedorowitsch, blieb leider unbeantwortet. Einzigstes Resultat nach mehrmaliger Nachfrage war ein Gesprächstermin. Dieser wurde durch die Stadtverwaltung ohne vorherige Ankündigung nicht wahrgenommen, man war nicht auffindbar (so eigenartig das auch klingt). Bei meiner Beschwerde über diese etwas eigenartige Verfahrensweise wurde mir dann ein weiterer Termin mitgeteilt - leider war man ganz plötzlich und unerwartet nicht im Hause.

Daraufhin schrieb ich dann folgenden Brief:

Werte Frau Jastremskaja,

ich bedauere auf das Äußerste, dass unser heutiges Gespräch wiederum nicht stattfand. Allerdings lassen mich die ganzen Umstände zur Überzeugung gelangen, dass dieses Gespräch von Ihnen nicht gewünscht wurde und sie ihm nur aus dem Wege gehen wollten. Dies finde ich sehr bedauerlich.

Ein solches Gespräch wäre eigentlich schon die logische Folge auf meinen Brief an den Herrn Fedorowitsch gewesen. Allerdings verstehe ich die Bewggründe nicht, die Sie zu einer solchen Reaktion veranlassen. Meines Erachtens gibt es mehr als genug Gründe, den Dialog zu suchen.

Ich bitte zu berücksichtigen, dass ich dieses Schreiben als Privatperson an Sie richte, nicht in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins, wobei eine völlige Trennung sicherlich kaum möglich sein kann.

Für mich verstärkt sich immer weiter der Eindruck, dass die Hilfeleistung auf humanitärem Sektor in diesem Kreis oder von dieser Verwaltung nicht gewünscht, zumindest aber nicht unterstützt wird. Offensichtlich scheint dies aber nicht nur unsere Gesellschaft zu betreffen. In einem Gespräch mit einer anderen Gruppe aus einem anderen Bundesland wurde deutlich, dass man dort einen ähnlichen Eindruck hat.

Dies ist in vielen Punkten ersichtlich. Unter anderem gibt es bereits in Deutschland Gerüchte über fragwürdigen Umgang und Verteilung einer Hilfslieferung von mehreren Tonnen Margarine. Beunruhigend dabei ist, dass es sich ja hier um ein verderbliches Lebensmittel von nicht unbeträchtlichem Wertumfang handelt. In einem Gespräch wäre es sicher möglich gewesen, diesen Gerüchten die Grundlage zu entziehen. Weiterhin wurde Ihnen durch mich im Herbst des vergangenen Jahres das Angebot einer deutschen Firma überbracht, in ihrem Landkreis kostenfrei mehrere Nutzwasserbrunnen fachgerecht einzurichten, beispielsweise für die Stadionbewässerung oder Friedhofversorgung bzw. an anderen von Ihnen gewünschten Stellen. Dazu wäre die Firma mit entsprechender Bohrtechnik und anderer Ausrüstung in Ihren Landkreis gekommen, ohne dass für Sie Kosten entstanden wären. Leider erfolgte auf dieses doch meines Erachtens sehr großzügige Angebot keine Reaktion.

Auf einige andere Beispiele möchte ich etwas konkreter eingehen.

1. Kinderaustausch

Ich erinnere mich noch an Ihre Worte, dass der kostenfreie Aufenthalt Rogachever Kinder in Deutschland für Sie keine besondere Leistung darstellt, es würden jedes Jahr genügend Kinder nach Deutschland fahren. Aber an einen Austausch würden Sie erst glauben, wenn wirklich deutsche Kinder hier wären. Zur Erinnerung: Dies war im Gespräch, bei dem der Geschäftsführer des Vereins "Kinderland Halle e.V." anwesend war.

Dieser Austausch wird nun realisiert. Zu diesem Zweck habe ich mit der Akademie der Wissenschaften ihrer Republik einen Vertrag geschlossen, der eine mehrjärige Laufzeit besitzt. Wir waren von Beginn an der Ansicht, in diesem Jahr mit diesem Projekt nur zu beginnen und es eventuell zu einer ständigen Sache werden zu lassen. Auch das entsprechend geeignete Busunternehmen Ihrer Region wurde bereits vertraglich gebunden, einschließlich beispielsweise einer Ausflugsfahrt nach Minsk. Unabhängig vom mehrwöchigen Aufenthalt von Rogachever Kindern in zwei der besten Kindererholungszentren Sachsen-Anhalt wird der Aufenthalt der deutschen Kinder in Ihrem Landkreis als "Archäologische Expedition" gemeinsam mit Rogachever Kindern unter der Hoheit des Rogachever Museums und Unterstützung der Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Der derzeitige Stand ist, dass an dieser "Expedition" 30 deutsche Kinder (+3 Betreuer) und 12-13 Rogachever Kinder teilnehmen werden. Sämtliche dabei anfallenden Kosten, etwa für Verpflegung und technische Ausstattung werden durch "Kinderland Halle e.V.", meiner Gesellschaft und andere deutsche natürliche und juristische Personen getragen, die technische Ausstattung einschließlich der Camp-Ausstattung verbleibt im Anschluß in Ihrem Kreis. Dazu wurden beispielsweise mit der Jugendorganisation Ihrer Stadt die entsprechenden vertraglichen Vereinbarungen getroffen. Auf Grund entsprechender gesetzlicher Regelungen in unserem Land zur Erlangung der entsprechenden Unterstützung waren die hiesigen staatlichen Stellen als Vertragspartner nicht möglich, dies wurde Ihnen ja bereits erläutert. Um so bedauerlicher ist es, dass es seiten der Verwaltung keine Unterstützung gibt, ich sogar den Eindruck gewinne, dass durch einige Personen das Projekt eher noch behindert wird, so dass es sogar fast vor dem Abbruch stand. Wir haben uns aber dennoch entschlossen, es in jedem Falle durchzuführen. Sollten sich jedoch weitere Schwierigkeiten ergeben, wird sich das deutsche Außenministerium an den Präsidenten Ihrer Republik wenden mit der Bitte, für die Durchführung des diesjährigen und der weiteren ähnlichen Vorhaben einen anderen Landkreis zuzuweisen.

Auf Grund der sehr hohen Teilnehmerzahl (die Rogachever Kinder sind dabei mitzurechnen) an einer Grabungsstätte wurde gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften entschieden, an einer zweiten Grabungsstätte zu arbeiten. Nach einem Rotationsprinzip sollte sich dabei ein Teil der Kinder in einem Kindererholungslager am Stadtrand Ihrer Kreisstadt zur Erholung aufhalten. Im Sommer des vergangenen Jahres bestätigten Sie noch diese Möglichkeit. Dabei sollte dieser Aufenthalt nicht kostenlos erfolgen, jeder Platz dort sollte bezahlt werde, zudem noch mit einem höheren Preis wie für belorussische Kinder üblich. Diese Plätze werden uns nun verweigert mit der Begründung, dass dort nur Kinder bis 14 Jahre untergebracht werden können und zum fraglichen Zeitpunkt bereits einige wenige der deutschen Kinder 15 und 16 Jahre sein werden. Dies ist für mich ein sehr unverständlicher Vorwand, um so mehr, als die Durchführung dieses Projektes doch einen nicht unbeträchtlichen wirtschaftlichen Faktor darstellen könnte, der der Wirtschaft Ihres Landkreises zu Gute kommen könnte. Dazu ist lediglich etwas Weitsicht und ein wenig simple Mathematik notwendig.

Allein für das Lager wären ca. 1500 US-Dollar gezahlt worden. Hinzu kommen die Verpflegung (für alle Gruppen einschl. Betreuungspersonal und wissenschaftliches Personal) und vor Ort zu kaufende Materialien (wie beispielsweise Millimeterpapier, zusätzliche Getränke, Eis usw. bis hin zu Treibstoffen) mit einem geplanten Umfang von ca. 5500 US-Dollar. Dieses Geld kommt Geschäften und Betrieben Ihrer Region zu Gute, weiterhin ist aus der Erfahrung damit zu rechnen, dass die Kinder ca. 1500 - 2.000 US-Dollar an Taschengeld in Ihrer Kreisstadt für Disko, Eis, Souvenirs u.ä. umsetzen werden. Dazu kommen ebenfalls noch die bereits vertraglich gebundenen Transferleistungen im Wert von 3500 US-Dollar. Alles in allem doch eine nicht unerheblicher ökonomischer Faktor, dessen Wert mit etwa 12.000 US-Dollar zuzüglich der hier verbleibenden Ausstattung zu veranschlagen sein dürfte.

2. Druckerei

Mit der von mir gelieferten Ausstattung ist die Druckerei arbeitsfähig, Der materielle Wert einschließlich der von mir noch zur Verfügung gestellten ersten Verbrauchsmittel dürfte sich bei etwa 5.000 US-Dollar bewegen. Allerdings ist zu erwarten, dass ein effizienter Einsatz einer guten Einweisung bedarf, da es sich um nicht ortsübliche Technologie handeln dürfte. Aus diesem Grunde hatte ich einen Spezialisten aus einem meiner Betrieb für eine mehrwöchige Dienstreise zur Verfügung gestellt. Die technischen Spezifikationen standen Ihnen bereits längere Zeit zur Verfügung und ich hatte darum gebeten, bereits im Vorfeld entsprechenden Kontakt mit den Zollorganen aufzunehmen und dafür Sorge zu tragen, dass die Technik sich am zukünftigen Arbeitsort, der von Ihnen bereits im vergangenen Jahr festgelegt wurde, zur Unterweisung befindet. Dies ist leider nicht geschehen, so dass der Spezialist nicht eingesetzt werden konnte, was um so bedauerlicher ist, da ich sicher nicht noch einmal die Möglichkeit haben werde, eine solche Dienstreise zu finanzieren. Allerdings werde ich dafür Sorge tragen, dass Ihnen notwendige Unterlagen für die technische Anwendung und Schulung von Personal bei meinem nächsten Aufenthalt hier zukommt.

3. Stomatologisches Prophylaxezentrum

Wie Ihnen ja hinlänglich bekannt ist, liegt mir der Aufbau eines stomatologischen Prophylaxesystems bei der Vorbeugung von Karies und Parodontose bereits ab Kleinkindalter, ähnlich dem System der ehemaligen DDR, besonders am Herzen. Dazu wurden auch bereits erste Maßnahmen begonnen, gemeinsam mit der für Kindergärten und Schulen zuständigen Stelle. Dieses Vorhaben ist konform mit ihrem entsprechenden staatlichen Programm, nachzulesen unter anderem in den Dokumenten des Witebsker Stomatologischen Kongresses aus dem Jahr 2000. Dort finden sich auch Ausführungen zu den weiteren Entwicklungen in ihrem Gesundheitswesen, speziell hier gemeint ist die geplante Entwicklung des prozentualen Anteils an selbständig niedergelassenen stomatologischen Einrichtungen (siehe beispielsweise dazu die Ausführungen des führenden Stomatologen der Republik Belarus, Herrn Prof. P.A. Leus "Die stomatologische Gesundheit der belorussischen Bevölkerung im 21. Jahrhundert"). Daher war von Beginn an geplant, das zu errichtende prophylaktische Zentrum in der Art einer sich selbsttragenden und selbstfinanzierenden niedergelassenen medizinischen Einrichtung zu betreiben, zumal bei entsprechender vertraglicher Bindung eine völlig andere Motivation als bei einer staatlichen Einrichtung zu erwarten ist.

Gemeinsam mit der zuständigen staatlichen Stelle wurde eine Standortauswahl getroffen, die für die erste Ausbaustufe des Projektes am ökonomischten war. Ein entsprechender Vorvertrag wurde durch einen hiesigen Juristen gemeinsam mit der zuständigen Stelle bereits formuliert. Darin sind u.a. auch die sehr umfangreichen Verpflichtungen und Aufgabenstellungen für die zu schaffende Einrichtung formuliert. Die technische Ausstattung sowie alle anfallenden Maßnahmen und Kosten für Um- und Ausbau der gewählten Einrichtungen sollten aus Deutschland zur Verfügung gestellt werden, ebenso umfangreiches Schulungs- und Agitationsmaterial sowie Material bzw. Gelder für hier zu beschaffende Verbrauchsmaterialien.

Wie mir nun inzwischen zur Kenntnis gelangte, soll nun an dieser Stelle eine ähnlich geplante staatliche Einrichtung aufgebaut werden. Gegen die Übernahme dieser Idee ist an sich nichts einzuwenden, diese Art von "geistigem Diebstahl" ist eigentlich nur zu begrüssen. Allerdings hege ich meine Zweifel, dass dies die bessere Variante ist.

Die Einrichtung einer solchen Praxis (technische Ausstattung u.ä.) dürfte einen Wertumfang von ca. 20.000 US-Dollar haben. Dazu kommt ein Sanierungsaufwand von etwa 3.000 US-Dollar (Umbau, elektrische Anlage, Fliesen, Sterilbereich usw.). Die Arbeitskosten einer modern ausgestatteten Einrichtung einschließlich Lohnkosten des medizinischen Personals und anderer Nebenkosten dürften je Monat mit ca. 500 US-Dollar zu veranschlagen sein. Nehmen wir einen Zeitraum von drei Jahren, was eigentlich sehr kurz gerechnet ist. Für diesen Zeitraum ist weiterhin zu rechnen mit Kosten von ca. 6.000 - 8.000 US-Dollar für Verbrauchsmaterial (z.B. Fluorid- und Aminfluorid-Präparate wie Corsodyl und weiteres) sowie Agitationsmaterial jeglicher Form einschl. Unterlagen zur Vortragstätigkeit und Weiterqualifizierung in Höhe von 2.000 - 3.000 US-Dollar. Bei einem Beispielsberechnungszeitraum von drei Jahren ergibt dies einen finanziellen Aufwand von etwa 46.000 bis fast 50.000 US-Dollar. Dies sind Gelder, die der Staat sozusagen als Geschenk erhalten hätte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es dazu noch die entsprechenden Fragen geben könnte. Die Planung sah vor, eine Eigenfinanzierung des Programms durch eine niedergelassene Praxis durch entsprechende vertragliche Regelungen, die nur eine Anschubfinanzierung benötigt hätte. Auf Grund der vorhandenen Möglichkeiten sehe ich eine effiziente Arbeit einer staatlichen Einrichtung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht realisierbar. Daher werde ich meine Bemühungen auch weiterhin auf eine privatbetriebene Einrichtung beschränken, notfalls in einem anderen Landkreis. Die von mir bereits eingeleiteteten Maßnahmen zur Unterstützung dieses Vorhabens durch Firmen und Organisationen in Deutschland sowie die Aufnahme in ein Förderprogramm der Europäische Union in Brüssel werde ich auf dieses für mich Erfolg versprechende Projekt beschränken.

Diese Entwicklung bedauere ich zutiefst, sehe aber keine sinnvolle Alternative.

Abschließend möchte ich nochmals betonen, dass ich mich keinesfalls beklagen oder beschweren möchte. Dazu gibt es eigentlich keinen Grund, da auch unsere Arbeit hier nur freiwillig ist. Es ergibt sich nur bei einigen Dingen in meinen Augen Klärungsbedarf. Um so bedauerlicher ist es, dass es trotz mehrfacher Bemühungen nicht zu einem Gespräch gekommen ist.

Gern hätte ich nach Möglichkeiten gesucht, die Arbeit auf humanitärem Gebiet einfacher, aber dennoch effektiver zu machen. Es ist für mich einfach nicht vorstellbar, dass eine solche Hilfe nicht wünschenswert sein könnte. Eine Einstellung der Hilfe würde doch genau die am allermeisten betreffen, die diese Hilfe am meisten brauchen. Und davon gibt es doch wohl auch in Ihrem Landkreis einige. Wie sonst würde sich die Gründung eines solchen Verein in Ihrer Stadt erklären lassen.

Neben der direkten und unmittelbaren Hilfe für einzelne Personen oder Familie sehe ich aber noch ein weiteres Gebiet. Dies ist das, was wir Hilfe zur Selbsthilfe nennen. Darunter verstehe ich beispielsweise die Bereitstellung von Dingen, mit denen sie dann weiter und selbständig tätig werden können, und sei es beispielsweise nur ein gebohrter Brunnen oder eine technische Ausrüstung, von Teilen für die Feuerwehr bis hin zu Druckereimaschinen. Allerdings muss das Ganze auch einen Sinn haben. Diese ganze Hilfe gibt es auch für uns nicht umsonst. Sie ist verbunden mit einer Unmenge von Freizeit, die wir auch unseren Familien vorenthalten und auch mit erheblichem finanziellen Aufwand, und sei es nur der Transport über 1500 km und die Überwindung auch bei uns vorhandener bürokratischer Hindernisse. Aber die nehmen wir gern in Kauf, weil es uns ein Bedürfnis ist, zu helfen. Dies ist Ziel eines jeden von uns, aber auch Aufgabe unserer Gesellschaft. Dies aber auch nur dort und solange, wie diese Hilfe auch gewünscht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Zur Information an:
BPSM Rogachev
andere Vereine der humanitären Hilfe
Internet

Auch dieser Brief wurde weder beantwortet noch anders auf ihn eingegangen, allerdings hatte er, wie nicht anders erwartet, auch seine Konsequenzen. So wurde beispielsweise unser Kinderaustausch derartig erschwert, dass es beinahe nicht dazu gekommen wäre (wenn wir nicht vorgesorgt hätten).


Arbeitskreis humanitäre Projekte e.V.
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