Tichinitschi

Breitengrad: 53º10' Längengrad: 29º52'

Tichinitschi ist ein Dorf im Rayon Rogachev, Oblast Gomel und liegt in westnordwestlicher Richtung der Kreisstadt. Mit dem Fahrzeug sind es etwa 15 bis 20 km, je nach dem, von welchem Punkt der Kreisstadt aus und zu welchem Punkt des Dorfes man rechnen will. Von Rogachev aus fährt man auf der Fernverkehrsstraße Richtung Bobruisk und biegt nach etwa 5 km kurz hinter der Ortschaft Strenki rechts ab.

Die Hauptstraße des Ortes

Das Dorf Tichinitschi ist sehr lang gestreckt. Ursprünglich lagen die Häuser des Ortes wohl nur entlang der einen Hauptstraße, die sich in Richtung Bolschaja Kruschinowka erstreckt und dabei ein kleines, an dieser Stelle vielleicht nur vier Meter breites Flüsschen überquert, dass etliche Kilometer weiter in den Drutj mündet. Etwa im Dorfzentrum gibt es dann eine Kreuzung, an der man nach rechts wieder zurück über Sapolje nach Rogachev gelangen kann. Auch hier sind noch etwa 500 Meter entlang dieser inzwischen asphaltierten Straße rechts und links die alten und typischen Holzhäuser sowie einige Gebäude, die ihrem Baustil nach sicher aus Ende der 50er Jahre stammen.

An dieser Kreuzung nach der linken Seite kommt nach einer größeren Fläche eine Siedlung, die schon auf Grund des Baustils der Häuser und der Straßenanordnung so gar nicht zu dem Ort passt und wie ein fremdes Anhängsel wirkt. Hier gibt es kleine Einfamilienhäuser aus Stein, alle mit einem kleinen Gartengrundstück. Sie machen den Eindruck, als würden sie aus den 60er und 70er Jahren stammen, als es offenbar dem Ort nicht schlecht ging.

Etwa um 1900 war Tichinitschi ein Amtsbezirk des Landkreises, zu dem auch etliche Nachbardörfer gehörten. Sicher wegen der schon damaligen Größe des Ortes. Wieviel Einwohner der Ort damals hatte und wieviel heute hier wohnen, kann ich nicht einschätzen, aber so knapp an die 1000 dürften es schon sein.

Die Hauptkreuzung des Ortes
Blick entlang der Hauptstraße Richtung Bolschaja Kruschinowka.
links die Bushaltestelle an der Schule, rechts eines der Lebensmittelgeschäfte des Ortes.
Blick nach rechts in Richtung neue Siedlung.

Die bereits erwähnte Kreuzung möchte ich als das Dorfzentrum bezeichnen, da sich nicht nur annähernd in der Mitte des Ortes befindet, sondern sich hier auch die wesentlichsten Punkte des Ortes befinden. Dies sind nicht nur die Bushaltestellen und ein Lebensmittelgeschäft, sondern auch die Schule, zwei Ehrenmale des Großen Vaterländischen Krieges und nicht zuletzt die Kirche des Ortes.

Die Schule ist ein großes 3-etagiges Gebäude. An der Giebelwand aus hellen Kalksandsteinen wurde mit roten Ziegeln die Zahl 1970 gemauert, dies dürfte das Jahr des Schulneubaus sein.

Direkt auf der Ecke befindet sich auf einem mastabaförmigen dreistufigen gemauerten Sockel eine Skulptur. Sie stellt eine Frauengestalt dar, die ein Kleinkind auf der Schulter trägt und sicher "Mutter Heimat" symbolisieren soll. Ihre Blickrichtung geht zu der schräg gegenüberliegenden Ecke der Kreuzung, wo sich ein anderes Ehrenmal befindet. Dort ist als Skulptur ein Soldat dargestellt in Felduniform und Trauerhaltung, die Feldmütze in der Hand und den Kopf gesenkt.

Neben dem Soldatendenkmal befindet sich die russisch-orthodoxe Kirche des Ortes in typisch russischem Baustil und zumindest äußerlich in einem hervorragenden baulichen Zustand. Zwar war ich schon sehr oft in Tichinitschi, hatte allerdings noch nie die Gelegenheit, die Kirche von innen zu sehen. Da es sich aber um kein ganz neues Gebäude handelt, dürfte sie sicher innen wie alle diese Kirchen sehr schön und mit zahlreichen Ikonen geschmückt sein.

Von Industrie ist hier in Tichinitschi nichts zu bemerken. Das Leben hier wird von der Landwirtschaft geprägt. Am Ortseingang befindet sich der ehemalige Kolchos mit seinen Technik- und Verwaltungsgebäuden.

Jetzt heisst es allerdings nicht mehr Kolchos, sondern "Offene Aktiengesellschaft", wie ein Schild bereits einen Kilometer vor dem Ortsschild verkündet. Den Symbolen des Logos nach befasst man sich hier sowohl mit Pflanzen- als auch mit Tierproduktion.

Einzelne zugehörige Einrichtungen sieht man auch an allen Enden des Ortes.


Der belorussische Landkreis Rogachev
© Jörg Müller