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Iljitsch

Das Dorf Iljitsch besteht noch nicht sehr lange. 1924 begannen 17 Familien landloser Bauern aus dem Dorfe Guta an einem noch nicht besiedelten Uferabschnit des Dnepr, etwa 15 Kilometer nördlich von Dowsk, den Boden landwirtschaftlich nutzbar zu machen und eine neue Siedlung zu errichten. Zur Erinnerung an den Führer der Revolution Wladimir Iljitsch Lenin (Uljanow) und der sich damit speziell für sie ergebenden Folgen (Bodenreform) nannten sie die neue Siedlung Iljitschþ
1932 begann die kleine Siedlung aufzublühen. Den Einwohnern gehörte jetzt der Ackerboden der Umgebung, die Heuernten, Weiden und die Fischfänge.
Und bis heute leben im Ort noch "Ureinwohner" die unter ersten Siedlern vor 60 Jahren hier den Ort aufbauten.

1950 begann man auf einer Brachfläche ein Werk zur Erstbearbeitung von Flachsfasern zu errichten. 1956 wurde der Betrieb umgestaltet und befasste sich mit der Herstellung von Seilen aus Flachsfasern. Am 20. Mai 1960 wurde das Shurawitscher Flachswerk in die Shurawitscher Wollspinnerei, dem einzigen Werk zur Verarbeitung von Rohschafwolle in der Republik. Am 23. November 1981 wurde die Fabrik in Iljitscher Werk POSH umbenannt.
Anfang der 90er Jahre musste das Werk geschlossen werden, da die Rohwolle nach dem Ende der Sowjetunion ein Importgut und damit zu teuer geworden war.

1954 wurde eine Sanitätsstelle errichtet und zwei Jahre später begann der Bau eines Krankenhauses für 25 Betten, welches einschließlich einer kleinen Poliklinik 1958 in Betrieb genommen werden konnte.
1952 wurde eine Kinderkrippe erbaut, 1955 folgte dann ein Kindergarten. Da der Platz nicht ausreichte, musste 1968 ein neues zweigeschossiges Gebäude als Kinderkrippe errichtet werden.
1952 wurde die Arbeitersiedlung erweitert, 26 Doppelhäuser, ein Geschäft, ein Wohnheim und ein Büffet wurden gebaut. In dieser Zeit hatte der Ort 1964 Einwohner.
1963 wurden noch 12 Doppelhäuser, sowie zwei Wohnblocks mit je 12 und 16 Wohneinheiten neu errichtet. Dies schuf Platz für weitere 480 Bewohner.

Die Einwohner bezeichnen ihren Ort als einen der schönsten im Bezirk. Er besitzt in seiner Umgebung zahlreiche Stellen, an denen man sich erholen und der Hektik des Alltags entfliehen kann: einen See, die Wiesen, der Wald und der Fluß. Man streift über die Wiesen, schreitet über malachitgrünes Gras und soweit das Auge reicht, leuchten die Farben der Blumen und Gräser. Duftendes Heu verlockt zu einer Rast. Man sinkt in das warme Gras, lehnt sich an einen Stamm und atmet tief dieses eigenartige Aroma ein. Es scheint, als gäbe es nichts schöneres auf der Welt.
Oder Du gehst in den Wald, bummelst zwischen Kiefern. Unter den Füßen knacken Zweige, raschelt das trockene Moos. Nach dunklem Wald tritts Du auf Lichtungen mit kleinen Waldwiesen heraus. Das Licht der Sonne, gebrochen in Millionen kleiner Splitter, zwingt Dich geblendet den Kopf zu senken. Dein Blick fällt auf Walderdbeeren. Dunkel, rot und reif hängen sie ein ihren kleinen zarten Stielen. Kaum berührst Du sie, fallen sie schon ab.
Am Abend ist es faszinierend, durch die Straßen unserer Siedlung zu spazieren, die Dämmerung sinkt herab, der Ort hüllt sich in die Dunkelheit ein und allmählich verlöschen auch die Lichter in den Fenstern. Und je dunkler der Ort wird, desto heller leuchten die Sterne am Himmel, eine Sternenpracht, die man kaum woanders so sehen kann.

Solche Schönheit bringt bemerkenswerte Talente hervor.
Bemerkenswerte Malereien, inspiriert von dieser zauberhaften Natur, stammen von der Iljitscher Künstlerin Schetinina, es sind Meisterwerke der Kunst, die man in unserem Iljitscher Museum sehen kann.
Aus den Gedichten der einheimischen Dichterin Klimenkova kann man erahnen, wie herrlich die Abendes in Iljitsch sind.

Im Ort gibt es vielfältige Sportmöglichkeiten, beispielsweise eine Sporthalle, Trainingsräume und ein größeres Stadion. Hier führen vor allem die Schüler ihre Wettkämpfe und sportliche Freizeitgestaltung durch.


Der belorussische Landkreis Rogachev
© Jörg Müller