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Rayon Korma

Der Rayon Korma wurde am 17. Juni 1924 gebildet. Seit 25. Dezember 1962 gehört er gemäß Erlaß des Präsidiums des Sowjets der BSSR zum Territorium des Rogachever Rayons (Oblast Gomel). Am 6. Januar ist 1965 ist er Bestandteil des Tschetschersker Rayons, am 30. Juli 1966 wird wieder ein eigenständiger Rayon Korma mit dem Rayonzentrum Korma gebildet.

Dieser Landkreis befindet sich im nordöstlichen Teil des Gebietes (Oblast) Gomel und wird begrenzt:

Der Fluß Ssosch, ein Zufluß des Dnepr, durchquert den Landkreis Korma von Nord nach Süd

Administratives und wirtschaftlich-kulturelles Zentrum des Landkreises Korma ist die gleichnamige Stadt Korma, die sich etwa 90 Kilometer von dem Bezirkszentrum Gomel und etwa 275 Kilometer von der Hauptstadt Minsk befindet. Diese beiden Landeszentren sind durch Buslinien mit Korma verbunden.

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Korma findet sich in der alten Ipatjewskojer Chronik, die etwa auf das 15. bis 17. Jahrhundert datiert wird. Etwa im 12. und 13. Jahrhundert befand sich auf dem Gebiet des heutigen Landkreises etwa die Grenze zwischen dem Smolensker und dem Tschernigower Fürstentum.

1772 kam der Kreis Korma im Ergebnis der ersten Teilung Polens gemeinsam mit dem benachbarten Landkreis Rogachev und dem Gouvernementszentrum Mogiljew in den Bestand des russischen Imperiums.

1938 erhielt die Siedlung Korma das Stadtrecht. Der Name Korma ist bereits sehr alt und war besonders im vergangenen Jahrhundert in dieser Gegend recht verbreitet.Auf einer alten Karte 18. Jahrhundert finden sich mehrere Ortsbezeichnungen in der Umgebung. Noch gegenwärtig existiert ein Ort Korma in den Kreisen Dobruschsk, Buda-Koschelewa und Shlobin.

Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Theorien. Eine Legende erzählt, das der Name Korma aus der Zeit stammt, als Afanasij Nikitin hier wohnte, der Erforscher des "Weges über drei Meere" (1463-1467). Andere führen den Namen auf die frühere Existenz einer Schiffswerft zurück, weil am Ortsrand des Dörfchens Strumen und dem Krasnopolsker Kreises im Sumpf alte Schiffsüberreste gefunden wurden. Eine dritte Theorie besagt, der Name Korma wäre mit den Reisen der Zarin Katharina II. (1762-1796) verbunden. In jener Zeit führte durch den Ort Korma der Reiseweg von Slawgorod nach Tschetschersk Richtung Süden und in Korma war eine Raststation zum Füttern der Pferde und der Verpflegung der Reisenden, die hier Rast machten. Wahrscheinlicher aber ist, das die Bezeichnung vom alten Abgabensystem des 14.-16. Jahrhunderts herrührt. In dieser Zeit hatten fürstlichen Bedienstete und reiche Bojaren das Lehensrecht erhalten und an bestimmten Orten die Abgaben in Form von Naturalien (russ. Lebensmittel oder Futter = Korma) einzusammeln und zu lagern. Das Recht auf diese Abgaben beinhaltete nicht nur das Eintreiben von Naturalien oder Geld, sondern auch die Verwaltung des entsprechenden Gebietes. Die Bodenreform von 1555 zur Zeit von Iwan IV. hob diese Form der Abgaben auf, der Name blieb jedoch noch lange in Gebrauch.

Der Landkreis (Rayon) Korma hat eine Fläche von 990 Quadratkilometer. Mit Stand vom 01. Januar 2002 wohnten 18.369 Einwohner im Landkreis, davon 6214 in der Kreisstadt und 12155 auf dem Lande. Die Bevölkerung setzt sich aus 8743 männlichen und 9626 weiblichen Einwohnern zusammen, es besteht also ein Frauenüberschuß von 274 Einwohnerinnen. 1395 sind im Kindergartenalter und 3175 im schulpflichtigen Alter, hinzu kommen noch 5422 im Rentenalter.

Administrativ teilt sich der Kreis in 10 ländliche Dorfgemeinschaften und 74 Siedlungen.

In der Frühgeschichte wurde in dieser Gegend der slawische Stamm der Radomitschi sesshaft (etwa Übergang Steinzeit zur frühen Bronzezeit) Davon zeugen archäologische Funde von frühzeitlichen Werkzeugen wie Steinbeile, Haarspangen, Pfeilspitzen und andere, die aus dem Neolithikum stammen. Besonders interessant ist dabei der Fund eines Steinbeiles mit einer aussergewöhnlichen Form, das 1963 unweit des Dorfes Petrowitschi gefunden wurde und sich seit 1966 in der Archäologischen Fakultät der Akademie der Wissenschaften in Minsk befindet. Dieses Steinbeil datiert man auf die Übergangsperiode vom Neolithikum zur Bronzezeit.

Im Landkreis gibt es fünf Industriebetriebe:

Im Kreis sind 5 Produktionsgenossenschaften, 3 Kirchengüter und 40 Kleinbetriebe registriert.

Es gibt 15 Schulen, davon 14 Mittelschulen und eine Grundschule sowie 18 Kindereinrichtungen (Kindergarten/Krippe), ein Jugendfreizeitzentrum (wie früher Pionierhaus mit Arbeitsgemeinschaften), 1 Berufsschulzentrum (ab 9. Klasse), ein Sportleistungszentrum sowie eine mittlere polytechnische Ausbildungsschule.

Weiterhin gibt es im Landkreis 10 Kulturhäuser, 12 Klubs, 1 Folklorezentrum ("Oktjaberski") und den "Barsukowskij-Klub" (das ist eine Art Heimatmuseum), das Kreiskulturhaus, 20 Bibliotheken (18 Dorfbibliotheken, eine Kreis- und Kinderbibliothek) und eine Kindermusikschule.

Der Landkreis verfügt über 69 Einzelhandelsverkaufsstellen, davon 15 Lebensmittelgeschäfte und 43 Geschäfte für Waren des täglichen Bedarfs. Es gibt 7 Kleinartikel-Läden und 3 Autohäuser (Ersatzteilhandel).

Die medizinische Vwersorgung ist durch ein modernes Kreiskrankenhaus gewährleistet, dem noch 13 Feldscherpunkte und 3 Landambulatorien unterstehen.

Die landwirtschaftlich Pflanzenproduktion und Viehzucht wird durch 7 Kolchosen, 6 Sowchose und das Geflügelkombinat "Sog" bearbeitet.

Im Januar 2002 betrug die Arbeitslosenquote im Landkreis 2,7 %.

In der Tradition gibt es besonders im Landkreis zahlreiche verdienstvolle Bürger:

1.Helden und Teilnehmer des Bürgerkrieges:

Abaturow, Iwan Galaktionowitsh (1891-1919),
Antonenko, Iwan Mihchailowitsh (1891-1919),
Antonenko, Kisma Mihchailowitsh,
Dawidenko, Fedor Michailowitsh (1891-1919),
Iljuschenko, Iwan Dmitriewitsh (1895-1919)

2. Helden Sowjetunion:

Mogeijko, Pawel Dimitriewitsch (1911-1987) - Dorf Saposhki,
Nesterowitsch, Pawel Wladimirowitsh (1913-1974) - Dorf Jenzi,
Filimonow, Aleksander Andrejewitsch (1918) - Dorf Kutschin,
Chodonowitsch, Lew Sergeewitsch - Dorf Strumen.

3. Helden der sozialistischen Arbeit:

Korotkewitsch, Nikolaij Aleksandrowitsch (1929) - Dorf Korotki,
Nikitin, Kusma Iwanowitsch (1897-1995) - Dorf Dubowiza,
Dmitriew, Mikhail Afanasiewitsch (1921) - Korma,
Schankow, Iwan Trofimowitsch- Dorf Kutschin.

4. Wissenschaftler:

Nesterow, Nikolaij Dmitriewitsch (Botaniker, Dendrologe, Akademienmitglied AW BSSR, Doktor der biologischen Wissenschaften) 1903-1984, aus dem Dorf Enzi;
Shukin, Aleksander Wladimirowitsh 1946-1988 (Kosmonaut);
Karpenko Stepan Charlamowitsch 1947, (Professor für Physik, Mitglied des Präsidiums des Moskauer Sowjets)
Jepiskob, Gleb - Dorf Chisow.

5. Literaturschaffende:

Astapenko, Aless (1920-1970) - Dorf Sirskaja Buda,
Derushinskij, Awerian Safonowitsch (1919) - Dorf Chlewno,
Klimenko, Iwan Prokopowitsch (1934).

6. verdienstvolle Bürger von Korma:

Kushinnikow, W. A. - General,
Konowalow, B.A.. - General,
Tsherwonij, L. D. - der General,
Wrewkin, F. A. - der General,
Arsumanian, E.E. - der Kommandeur einer Minenwerfergruppe,
Grislow, M. G. - Kommandeur des 260-er Partisanenverband "Kalinin",
Micheilaschew, M. A. - Tschekist, einer der Organisatoren und der Leiter der Partisanenbewegung im Landkreis, Held der Sowjetunion;
Gawrilenko, M. P. - der Sergeant 169. Division;
Sacharow, M. I. - der Offizier der 121. Division;
Makarenko, D. G. - Generalmajor, Dorf Lushok.

Den Helden, die in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges gefallen sind, wurde im Park "Freiheit" ein Denkmal errichtet.

Der Ort Korma besitzt ein eigenes Wappen. Es gibt historische Überlieferungen, dass Korma zum Besitztum einer Familie Bykowskij gehörte. Daraus entstand die Idee, das Stammwappen der Bykowski auch für das Wappen des Ortes zu verwendenn. Auf einem Schild sind in einem hellblauen Feld zwei Degengriffe als Andreaskreuz gestaltet.

Nach dem Zerfall der UdSSR kam es zu ähnlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wie in der gesamten Republik. Besondere Probleme sind derzeitig Anbau und Handel mit Kartoffeln, wurden doch früher die angrenzenden russischen Gebiete aus dem Kreis Korma mit Kartoffeln versorgt.

Besonders die östlichen Gebiete des Rayon Korma sind von den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl betroffen. Von 102 Ansiedlungen mussten 30 evakuiert werden (die Höhe der Kontaminierung mit Cäsium-137 beträgt etwa 30 Cu je m²). Diese evakuierten Bereiche sie sind ohne Elektrizität und von der Umgebung isoliert, das Betreten dieser Territorien ist streng untersagt.

In Korma selbst beträgt die Kontamination nur wenigem mehr 15 Cu je km².

Jährlich werden die Kinder des Kormaer Rayons in Sanatorien und Erholungsheimen in Belorußland, Rußland, Italien, Deutschland und Belgien zur Erholung und zu Kuren untergebracht. Bis August 2002 erreichte die Zahl 400 Menschen.

In Litwinowitshi wohnen 1182 Menschen gegenwärtig.


Der belorussische Landkreis Korma
© Jörg Müller