Die russisch-orthodoxe Kirche

Das Gebäude, in dem sich die Kirche von Korma heute befindet, wird erst ein paar Jahre als Kirche benutzt. Früher befand sich die Kirche am anderen Ende der Stadt, unweit des Standortes des Kreiskrankenhaus. Von diesem Gebäude sind heute nur noch Ruinen vorhanden, das Gebäude soll etwa 1918 durch die Bolschewiki gesprengt worden sein.

Am jetzigen Standort befand sich nach dem Kriegsende ein kleiner Flugplatz, in dem Gebäude, in deem sich heute die Kirche befindet, wurden die Flugtickets verkauft und befand sich der Warteraum. Der Flugplatz wurde jedoch geschlossen - vermutlich aus Wirtschaftlichkeit - und das Gebäude stand lange Zeit leer. Obwohl kein Kirchengebäude mehr vorhanden war, bestand aber die russisch-orthodoxe Gemeinde weiter. Vor einigen Jahren trat diese an die Landkreisverwaltung heran und bat , das leerstehende Gebäude als Kirche nutzen zu dürfen, was auch gestattet wurde. Allerdings konnte der Landkreis keine Mittel zur Verfügung stellen, so dass die Herrichtung der Räumlichkeiten ausschließlich durch die Kirchengemeinde geschah. Dabei wurden unter anderem auch die so typischen Zwiebeltürmchen errichtet - natürlich einfacher und viel kleiner als bei sonstigen russisch-orthodoxen Kirchen. Schrit für Schritt wurde und wird noch immer der Innenausbau vorangetrieben, verhältnismäßig langsam vor allem, da keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. 2002 wurde Vater Vitalij, dem noch recht jungen Popen der Kirche, durch den arbeitskreis humanitäre Projekte e.V. Farbe übergeben, mit dem die Wände, Fenster und der neue Fußboden gepinselt werden konnten. 2003 erhielt die Kirche nochmals Material für die Nebenräume.

Heute macht das Kircheninnere einen sehr guten Eindruck. Im Gegensatz zu vielen anderen russisch-orthodoxen Kirchen die ich kenne, sind die Innenräume allerdings noch nicht mit so vielen Ikonen bestzt, wie man es sonst gewohnt ist, was allerdings sicher darauf zurückzuführen ist, dass diese Kirche noch nicht lange besteht.

Einziger Mangel ist die schlechte Heizmöglichkeit. Zwar wurde durch die Gemeinde der russische Ofen wieder aufgebaut, der aber nicht ausreicht, um die Kirche im Winter warm werden zu lassen. Allerdings lassen die finanziellen Möglichkeiten derzeit keine andere Lösung zu. Eine richtige "Zentralheizung" einzubauen wäre unökonomisch und keine echte Lösung für den Winter, meinte Vater Vitalij, da ein System mit Wasser dann im Winter jeden Tag geheizt werden müsse, auch wenn es nicht notwendig sei. Die Überlegungen gehen in Richtung einer Dieselheizung (etwa in Form einer Sirocco-Heizung), die nur bei Notwendigkeit - beispielsweise einer Taufe oder eines Gottesdienstes - in Betrieb genommen wird und in recht kurzer Zeit den Innenraum warm bekommt. Wohl kann man diese Form der Heizung in Weißrußland kaufen, aber die etwa 150,- bis 200,- Dollar dafür hat die Gemeinde nicht.


Der belorussische Landkreis Korma
© Jörg Müller