Der Oblast Witebsk

Geographische Lage

Das Gebiet Witebsk ist einer der Oblaste der Republik Belarus und liegt im Nordosten des Landes, wo es an Litauen, Lettland und Rußland grenzt. Der Bezirk umfaßt 19,3 % der Fläche des Landes, auf der in 21 Rayons etwa 13,8 % der belorussischen Bevölkerung leben.

Das Gebietszentrum ist die Stadt Witebsk mit etwa 367.000 Einwohnern.

Die günstige geographische Lage wird bestimmt durch den Schnittpunkt der Wege von Westen nach Russland, von Russland ins Baltikum und von Sankt Petersburg nach Odessa

Das Gebiet Witebsk ist eine industriell gut entwickelte Region. Zu den wichtigsten Zweigen der Industrie gehören Betriebe der Energiewirtschaft (hier befinden sich große Kraftwerke), chemische Industrie, Maschinenbau, metall- und holzverarbeitende Industrie, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie. Wichtigste Produkte sind Schnittholz, Teppiche, Stoffe, Bekleidung und Schuhe, Fernsehgeräte und Uhren.

In der Landwirtschaft dominiert Viehzucht und Milchwirtschaft, Flachsanbau und in der Umgebung von Witebsk, Orscha, Polozk die Geflügelzucht sowie Obst- und Gemüseanbau.

Im Gebiet liegt der Hauptteil des belarussischen Seegebietes. Allein 11 der 19 größten Seen des Landes befinden sich hier. Eine Besonderheit ist dabei der Komplex der Braslaw-Seen, wo sich im Einzugsgebiet der Dwina etwa 50 Seen mit einer Gesamtfläche von 130 km˛ befinden. Besonders hier sind seltene Arten der Tier- und Pflanzenwelt erhalten geblieben, die in das Rote Buch eingetragen sind.

Das Gebiet Witebsk ist auch an Geschichtsdenkmälern reich. Hier liegt mit Polozk eine der ältesten ostslawischen Städte mit zahlreichen erhalten gebliebenene slawischen Geschichts- und Kulturdenkmälern, beispielsweise der Sofien-Kathedrale, der Spaso-Ewfrosinja-Kirche, der Bogojawlenskaja-Kirche.

Die Stadt Witebsk

Witebsk ist das Verwaltungszentrum des gleichnamigen Gebietes. Derzeit hat die Stadt etwa 367.000Einwohner.

Nach Polozk ist Witebsk eine der ältesten Städte der Republik Belarus, vermutlich wurde sie 947 von der Kiewer Fürstin Olga gegründet

Eine alte urkundliche Erwähnung der Stadt aus dem 12. Jahrhundert steht im Zusammenhang mit einem Krieg der Kiewer und der Polozker Fürsten. Der Fürst von Kiew Jaroslaw Mudry schenkte dem Fürsten von Polozk Bryacheslav die Stadt auf dem Fluß Witsba.

Bereits im 12. Jahrhundert war die Stadt ein bedeutendes Handels- und Handwerkszentrum, günstig gelegen an dem berühmten "Weg von den Warägern zu den Griechen" (entlang des Dnepr)

Witebsk entstand zuerst als Festung für Verteidigung gegen Eindringlinge. Sie wurde auf dem hohen Ufer der westlichen Dwina errichtet, an der strategischen Stelle, wo die Flüsse Witsba und Luches in sie münden. Eine Erweiterung wurden das obere Schloß im 13. Jahrhundert und das unterere Schloß im von 14. Jahrhundert.

1320 war das Fürstentum Witebsk Bestandteil des Litauer Fürstentums. Regimenter aus Witebsk nahmen beispielsweise an der Schlacht von Grunwald teil.

Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt mehrfach zerstört, von 1654-1667 war sie russisch besetzt.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts, während des Nordischen Krieges von Schweden gegen Rußland und Polen wurde Witebsk fast vollständig niedergebrannt.

Im 19. Jahrundert war sie wieder ein wichtiges Industriezentrum.

Im zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, danach neu aufgebaut

In der Stadt gibt es mehr als 60 staatliche und private Großbetriebe und mehr als 100 Kleinfirmen. Zu den wichtigsten Zweigen der Industrie gehören Maschinenbau; metall- und holzverarbeitende Industrie; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.

Witebsk ist eine Stadt der Wissenschaft und Kultur. In der Stadt gibt es u.a. zwei Universitäten, eine Veterinärakademie, eine Medizinische Hochschule, fünf Fachschulen und weitere Lehranstalten.

In der Stadt gibt es zahlreiche kulturelle Einrichtungen, beispielsweise das Belorussische Dramatische Theater "Jakub Kolas", zahlreiche Kulturhäuser, Museen und Galerien. Besonders hervorzuheben sind das Museum und das zum Museum hergerichtete Geburtshaus des großen Maler und Grafikers Marc Chagall, wohl einer der berühmtesten Bürger der Stadt.

Als Hauptstadt der Musikfeste rühmt sich Witebsk seiner langjährigen Tradition anspruchsvoller Jazzmusikfestivals sowie der seit 1987 stattfindenden Festspiele der modernen Choreographie. Das jährlich Mitte Juli stattfindende internationale Kunstfestival "Slawischer Basar " gehört seit 1992 zu den wichtigsten Kulturfesten Europas, was mit der Auszeichnung der Goldenen Palme 2001 in Cannes gewürdigt wurde.

Witebsk ist reich an historisch-kulturellen Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören u.a. das Rathaus aus dem Jahre 1775, die Kasaner Kirche aus dem Jahre 1760 und die Maria-Verkündigungs-Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Letztere wurde im II. Weltkrieg stark zerstört, so dass sie 1961 abgerissen wurde. Die wenigen Überreste wurden für den Wiederaufbau genutzt. Die in den 70er Jahren aus Holz gebaute Aleksandr-Newskij-Kirche sollte zunächst als Übergangslösung dienen, bis die Maria-Verkündigungs-Kirche wiederaufgebaut ist. Aber mittlerweile werden beide Kirchen nebeneinander benutzt.

In der Stadt, die eine große Anzahl an Kirchen besitzt, finden sich nicht nur russisch-orthodoxe und römisch-katholische Kirchen, zur Zeit wird an dem Wiederaufbau einer lutherischen Kirche gearbeitet (nach Witebsk kam diese Glaubensrichtung durch deutsche Einwanderer zur Zeit Peter I. und der Zerbster Prinzessin und bekannten russischen Zarin Katharina II. Auch die unierte-orthodoxe Kirche wieder errichten. Hinzu kommt, das gemäß Ukas der Katharina II. Witebsk zugewiesenes jüdisches Siedlungszentrum war.

Das Witebsker Wappen

Im blauen Schild befindet sich eine Abbildung von Jesus Christus über einem Schwert.

Eine mögliche Deutung ergibt sich unter anderem aus der geographische Lage der Stadt.

Die Christusfigur vermittelt die Tatsache, dass Witebsk bereits vor den anderen westlichen Regionen des Litowsker Fürstentums christianisiert wurde. Das Schwert symbolisiert die Bedeutung der Stadt für die Verteidigung der östlichen Landesgrenzen, an denen es in der Vergangenheit immer wieder schwere Kämpfe gab.

Marc Chagall – Kurze Biographie