Die Wirtschaft von Weißrußland

Weißrußland wird für Investoren attraktiver (Oktober 2001)

Nach den Präsidentschaftswahlen im September 2001 wird nun begonnen, die versprochenen Wirtschaftsreformen umzusetzen. Erster Schritt dabei ist eine Entbürokratisierung im Rahmen einer Regierungsumbildung. So reduzierte sich die Zahl der Regierungsmitglieder von 60 auf jetzt 38, die Anzahl der Ministerien wurde etwa halbiert auf 24. Abgeschafft werden die den einzelnen Ministerien untergeordneten Staatsausschüsse, die durch nur dem Ministerrat verantwortliche kleinere Ausschüsse ersetzt werden. Alle anderen staatlichen Strukturen sollen um 10 bis 15 % reduziert werden. Man erhofft sich von diesen "Entbürokratisierungsmaßnahmen" die dringend erforderliche Erhöhung der Effektivität des Staatsapparates.

Nach seiner Wiederwahl versprach der weissrussische Präsident Lukatschenko, die geplanten wirtschaftlichen Veränderungen zügig zu realisieren. Ein Schritt auf diesem Wege ist beispielsweise die Ernennung von Gennadi Nowitzki zum Ministerpräsidenten. Er war zuvor Minister für Bauwesen und ist als bekannter Betriebswirt ein Anhänger der freien Marktwirtschaft. In die Regierung wurden besonders Wirtschaftsexperten integriert, beispielsweise der stellvertretende Ministerpräsident Sergej Sidorski, vorher stellvertretender Vorsitzender des Exekutivkomitees des Gebietes Gomel.

Aber nicht nur die Veränderungen in der Regierung zeugen von einer Bereitschaft, die geplanten ökonomischen Veränderungen zügig umzusetzen. Im September 2001 trat das neue Investitionsgesetzbuch in Kraft, welches besonders das Investitionsklima und die Lage ausländischer Investoren nachhaltig verbessern soll. Führend bei der Erarbeitung dieses Gesetzes waren Wirtschaftsexperten, so Vertreter des Instituts für Wirtschaft der Nationalen Akademie der Wissenschaften, des weissrussischen Unternehmer- und Arbeitgeberbundes, der weissrussischen Staatsuniversität, des Instituts für Privatisierung und Managements, der Internationalen Finanziellen Kooperation, des Investorenbundes, der Verwaltung der freien Wirtschaftszone (FWZ) "Gomel-Raton", des Aussenministeriums und anderer Staatsorgane.

Dieses neue Investitionsgesetzbuch enthält eine Reihe wesentlicher Grundgarantien für die Investoren:

Garantien der Regierung für ausländische Kredite sowie Kredite der weissrussischen Banken sind eine wesentliche staatliche Unterstützung für Investitionsprojekte. Ziel dieser Investitionspolitik ist die Ansiedlung von Investoren speziell in den Hochtechnologie-Branchen.

Vereinfacht wurde das Registrierungverfahren für Betriebe mit ausländischem Kapitalanteil, langwierige Prozeduren mit lokalen Behörden gehören der Vergangenheit an, die Dauer des Verfahrens wurde auf 15 Tage begrenzt. Wesentlich ist die Berechtigung der Betriebe mit internationalem Kapitalanteil, die Preispolitik für ihre Produktion selbst zu bestimmen. Diese Änderung der Wirtschaftspolitik bedeutet eine weitere Öffnung des Landes gegenüber ausländischen Investoren, die vorrangig von weissrussischen Industriegebieten angezogen werden. Eine besondere Rolle spielen dabei die gebildeten freien Wirtschaftszonen (FWZ) von Minsk und Gomel. Abgesehen von den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe entwickelt sich besonders im Gomeler Gebiet die Wirtschaft, das dortige Wirtschaftspotential erreichte bereits den 2. Platz in der Republik.

Besonders russische Investoren wurden hier bereits aktiv. So hat die russische Gesellschaft "Slavneft" bereits 200 Mio. Dollar in die Erdölchemie der Region investiert, besonders in die Modernisierung des petrolchemischen Werkes in Mosyr.

Wesentlicher Bestandteil der weissrussischen Wirtschaft sind die 4 freien Wirtschaftsgebiete (FWZ) von Minsk, Brest, Gomel-Raton und Witebsk. Hier siedelten sich über 170 Firmen mit mehr als 8.000 Beschäftigten an, die im Jahr 2000 ein Produktionsvolumen von über 90 Mio. Dollar erreichten. Nicht nur russische, sondern auch zahlreiche westeuropäische Betriebe sind hier tätig.

Weissrussland erhofft sich besonders hier einen weiteren Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit europäischen Ländern, dabei vorrangig mit Deutschland. Die Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog mit Weissrussland von westeuropäischer Seite, unter anderem auch des Europarates, nimmt zu. Davon zeugt unter anderem der Vortrag des Leiters der Beobachterdelegation bei den weissrussischen Präsidentschaftswahlen, Stefan Horisse, vor dem Parlamentsausschuss des Europarates am 25. September in Straßbourg. Der Berichterstatter stellte in seinem Bericht fest, dass es heute nicht mehr möglich ist, ein gemeinsames europäisches Haus auf Zwangsmassnahmen zu gründen, dass nur der Dialog und eine Zusammenarbeit in den Beziehungen zu Weissrussland von Bedeutung sein können.

Zahlreiche deutsche Unternehmen haben bereits in Weissrussland Projekte begonnen. So produziert bereits seit über 3 Jahren in der FWZ Gomel-Raton der Betrieb "Becker-System-Belarus", der hier Fenster, Türen und Zubehör herstellt. Bis zu 80% des Produktionsvolumens wird aus Weissrussland wieder exportiert. Der Investor Ludwig Becker hat weitere Betriebe in Russland und Kasachstan, bevorzugt jedoch die Ansiedlung im Gebiet Gomel. Hier stehen ihm ein hohes Industriepotential einheimischer Betriebe, billige hochqualifizierte Arbeitskräfte, eine sehr gut entwickelte Infrastruktur sowie die Nähe des russischen Absatzmarktes zur Verfügung. Ein weiterer wesentlicher Grund für die Errichtung dieses Betriebes in diesem Bereich waren die weitreichenden Steuervergünstigungen bzw. -befreiungen, die per Gesetz allen Investoren in den FWZ garantiert sind.

Ein anderes bedeutendes Beispiel der Zusammenarbeit weissrussischer Betriebe der Region mit westeuropäischen Partner ist das Metallurgiewerk in Shlobyn (BMS). Resultat enger Beziehungen zur österreichischen "Voest-Alpine" sind die Kredite und umfangreichen Modernisierungen in diesem Werk. Auch in der Nahrungsmittelindustrie greift die ausländische Kapitalanlage, so arbeitet bereits seit einiger Zeit in Shlobin die österreichisch-weissrussische Wurstfabrik "Austrobel". Bereits seit über fünf Jahren arbeitet in Gomel das französisch-weissrussische Gemeinschaftsunternehmen "Comconte". Hier werden speziell für den osteuropäischen Markt entwickelte moderne Kessel für Holzabfälle als Brennstoff produziert. Diese finden nicht nur in Weissrussland sondern besonders auch in Russland einen solchen Absatz, dass man derzeit nicht in der Lage ist, die große Nachfrage zu decken und die Produktion weiter ausbauen muss.

Die Reihe von Beispielen der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der europäischen und der einheimischen Industrie ließe sich noch fortsetzen. Infolge der angestrebten und bereits begonnenen wirtschaftlichen Veränderungen ist man sich besonders auf weissrussischer Seite sicher, dass diese Zusammenarbeit jetzt wesentlich intensiviert werden wird. Dabei ist man bereit, überall dort, wo es positive Auswirkungen auf weissrussische Belange hat, alle Kräfte für eine vorteilhaftere Zusammenarbeit mit europäischen Partnern anzustrengen. Die weissrussische Wirtschaft ist offen gegenüber konstruktiven Massnahmen.

Ausserdem benötigt Weissrussland nach wie vor Hilfe bei der Überwindung der Folgen der Tschernobylkatastrophe. Die finanziellen Mittel, die den medizinischen Einrichtungen des Landes zur Verfügung stehen, sind für die Anschaffung benötigter Medikamente und medizinischer Ausstattung oft nicht ausreichend. Die weissrussischen Mediziner sind daher dankbar für jede humanitäre Hilfe, besonders aber für Vorschläge und Massnahmen zur Unterstützung bei der Eigenproduktion von entsprechenden Medikamenten und medizinischer Ausstattung.


Weißrussland hat seit 1995 strukturelle Reformen gehabt. Als der Präsident Lukaschenko das Land auf den Weg der sozialistischen Marktwirtschaft brachte, behielt er gleichzeitig die Kontrolle über die Preise und die Kurswechselraten. Er erweiterte das Staatsrecht, indem es interwenieren kann in die private Firmenverwaltung.

Das hat ein feindliches Klima für private Unternehmer geschaffen und hat lokale und ausländische Investitionen gehemmt. Die weißrussische Regierung hat die Wirtschaft künstlich belebt mit einer Politik der schnellen Kreditvergabe. In diesem vergeblichen Versuch, die rapide anwachsende Inflation aufzuhalten, platzierte die Regierung strikte Preiskontrollen auf Nahrungs und Konsumsprodukte.

Als Ergebnis dieser Politik entstand Nahrungsmittellknappheit.

Bevölkerung:

Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze: 77%
Inflationsrate: 182%
Arbeitskraft in Weißrussland: 4,3 Millionen

Arbeitskraft-Beruf: Industrie und Bau 40%
Land – und Forstwirtschaft 19%
Dienstleistungssektor 41%

Arbeitslosigkeitsrate: 2,3%
Große Anzahl überqualifizierter Arbeiter

Staatshaushalt:

Staatseinnahmen: 4 Billionen U.S.$
Staatsausgaben: 4,1 Billionen U.S.$

Wachstum

Industrielle Wachstumsrate: 11%
Elektrizitätsproduktion: 26.1 Billionen kw
Elektrizitätsquellen:

Wasserenergie: 0,08%
fossile Energien: 99,92%
Atomenergie: 0,00%

Elektrizitätsverbrauch: 33.7 Billionen kw (im Jahr 1997)
Elektrizitätsexport: 2.7 Billionen kw
Elektrizitätsimport: 10.3 Billionen kw

Landwirtschaftsprodukte:

Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Flachs, Rindfleisch, Milch

Export:

7 Billionen U.S.$ (F.O.B. =free on board) im Jahr1998
Warenexport: Maschinen und Transportmittelausrüstung, Chemiprodukte und Nahrungsmittel
Exportländer: Russland, Ukraine, Polen, Deutschland

Import:

8.5 Billionen U.S. $ (C.I.F.= Cost Insurance & Freight), im Jahr1998
Warenimport: Brennstoffe, natürliches Gas, Industrierohstoffe, Textilien, Zucker, Nahrungsmittel
Importländer: Russland, Ukraine, Polen, Deutschland

Staatsverschuldung/Auslandsverschuldung:

-1.03 Billionen U.S.$ (Jahr 1998)

Wirtschaftshilfe:

aus dem Ausland: 194.3 Millionen U.S.$ (Jahr1995)
Wechselkursrate: 1 U.S.$ = 139000 BR (Stand 25 Januar 1999)

Kommunikation:

Telefonanschlüsse: 2.55 Millionen (Okt.1998)
Telefonsystem: Ministerium der Telekommunikation kontrolliert alle Verbindungen durch ihre Beltelkom Gesellschaft, die das Monopol besitzt


24. Januar 2001

WIRTSCHAFT DER REPUBLIK BELARUS IM JAHR 2000

Grundtrends und Probleme

Die Wirtschaftsentwicklung der Republik Belarus (RB) im Jahr 2000 wird nach Angaben des Ministeriums für Statistik und Analyse der RB genau wie in den letzten 4 Jahren durch ein hohes Zuwachstempo von Grundangaben charakterisiert: durch den Zuwachs des Brutto-Inlandprodukts (BIP) und der Industrieproduktion.

Im Januar-November 2000 hat der BIP 7.911,7 Mrd. BYB (belorussische Rubel) in den laufenden Preisen ausgemacht und ist im Vergleich zur entsprechenden Periode 1999 in den vergleichbaren Preisen um 5,5% gestiegen. Bei einem Jahresdurchschnittszuwachs in den Jahren 1996-1999 bis 6,5% wird der mit dem Dezember gerechnete zu erwartende BIP-Zuwachs 5,2% - 5,3% ausmachen.

Der einen BIP-Zuwachs bestimmende Hauptzweig ist Industrie. Ihr spezifisches Gewicht machte im Januar-November 2000 bis 27,6% aus. Das spezifische Gewicht des Mehrwerts in der Landwirtrschaft machte 13,7%, im Bau 5,5%, im Transport- und Kommunikationswesen 11%, im Handel und gesellschaftlicher Ernährung 8,8% aus.

Der Zuwachs an der Industrieproduktion machte im Vergleich mit der entsprechenden Periode 1999 in vergleichbaren Preisen 8,3% aus. Unter Miteinbeziehung der Dezember-Ergebnisse wird im Jahr 2000 ein Zuwachs von 8% erwartet, - jahresdurchschnittlicher Zuwachs 1996-1999 war 11%. Das höchste Zuwachstempo haben im Januar-November 2000 Maschinenbau und Metallverarbeitung (15,1% im Vergleich zum Januar-November 1999), Treibstoffindustrie (14,5%), Schwarzmetallurgie (11,2%) und Nahrungsmittelindustrie (7,9%) verzeichnet. Dabei hat der Anteil des Maschinenbaus und der Metallverarbeitung im Gesamtvolumen der Industrieproduktion 23,5%, der Nahrungsmittelindustrie 17,7%, der Treibstoffindustrie 6,2% ausgemacht. Der Anteil des nichtstaatlichen Sektors betrug 42,9% vom Gesamtvolumen der Industrieproduktion, darunter der Privatunternehmen 9,1%, der Unternehmen gemischter Eigentumsformen mit einem Staatsanteil am Gründungsfonds 28,8%, gemischten Eigentums mit ausländischer Beteiligung 3,2%, der Auslandsunternehmen 0,3%.

Von den 572 wichtigsten durch statistische Berichterstattung erfaßten Industrieproduktionsarten ist die Produktion bei 287 Produktarten gestiegen, darunter bei den Produkten der Erdölvorverarbeitung (Kfz-Benzin um 15,9%, Dieseltreibstoff um 11,4%), bei schwarzen Walzmetallen (um 8,1%), bei synthetischen Teeren und Kunststoffen (um 6,1%), bei chemischen Fasern und Fäden (um 12,2%), bei Metallabhebewerkbänken (um 19,5%), bei LKWs (um 10,7%), bei den Bussen (um 25,3%), Motorrädern (um 54,5%), Fahrädern (um 15,6%), bei den Baumwollstoffen (um 46,2%), bei Näherzeugnissen (um 11,5%) u. a. m.
Beim Produktionszuwachs war aber kein entsprechender Zuwachs des Verkaufsvolumens zu verzeichnen. Die Vorräte an der fertigen Produktion in den Industriebetrieben sind im Vergleich zum Anfang 2000 um's 2,9-fache gestiegen und betrugen zum 1. Dezember vorigen Jahres 395 Mrd. BYB oder 64,1% vom durchschnittlichen monatlichen Produktionsvolumen. Eine besonders schwierige Situation mit dem Produktionsabsatz ist im Maschinenbau zustande gekommen, wo die Reste der fertigen Produktion das monatliche Produktionsvolumen überstiegen (108% zum monatsdurchschnittlichen Volumen), sowie in der Leichtindustrie (94,6%), in der Forst-, Holzverarbeitungs-, Zellstoff- und Papierindustrie (83,7%).

Die Orientierung auf einen Produktionszuwachs, nicht auf derer Realisierung und Gewinnerzielung führt zur Senkung der Produktionsrentabilität. Im Januar - Oktober 2000 hat die Rentabilität in der Industrie 15,6% im Vergleich zu 17,4% dieser Monate des Vorjahres ausgemacht. Unter dem Durchschnittsniveau war die Rentabilität im Maschinenbau (13,9%), in der Forst-, Holzverarbeitungs-, Zellstoff- und Papierindustrie (10,9%), Nahrungsmittelindustrie (8,9%) und in der Baustoffindustrie (4,9%).

Aus den oben erwähnten und anderen Gründen waren 20,9% der Gesamtanzahl der Industriebetriebe oder jedes fünfte Unternehmen der Branche überhaubt verlustbringend.

Laut den Angaben des Ministeriums für Statistik und Analyse der RB ist das Produktionsvolumen in der Landwirtschaft um 8,4% gestiegen. In den Jahren 1996-1999 ist das Produktionsvolumen in diesem Zweig im Vegrleich zum 1995 um 11,3% oder durchschnittlich um 2,7% pro Jahr gesunken.

Das Gesamtvolumen an Investitionen ins Grundkapital betrug im Januar-November 2000 1.279,2 Mrd. BYB, was im Vergleich zur entsprechenden Periode 1999 um 2,2% niedriger ist, darunter in die Objekte der Produktionsverwendung 670,6 Mrd. BYB, was um 1,9% weniger als 1999 ist. Die Hauptquellen der Investitionen waren Mittel der Betriebe und Institutionen, inklusive Kredite, derer Anteil 48,1% des Gesamtinvetitionsvolumens ausmachte, die Mittel der Bevölkerung betrugen 20,4%. Der Aneil der Auslandskredite und -investoren hat 3,7% des Gesamtinvestitionsvolumens ausgemacht.

Der Außenhandel wurde durch einen bedeutenden Zuwachs der preislichen Volumina im Export und Import von Waren und Leistungen charakterisiert. Das Außenhandelsvolumen ist im Januar-Oktober 2000 im Vergleich zur entsprechenden Periode des Vorjahres um 30,3% gestiegen und betrug einen Umfang von US$ 13.091 Mio. Dabei sind Export von Waren und Leistungen um 28,8% und Import um 31,8% gestiegen. Das Außenandelsdefizit bei den Waren und Leistungen hat im Januar-Oktober 2000 eine Höhe von US$ 923,5 Mio erreicht, wovei für die entsprechendePeriode 1999 das Defizit US$ 487,4 Mio ausgemacht hat.

Der Export von Leistungen hat im Januar-Oktober 2000 laut Angaben der Nationalbank der RB US$ 834,8 Mio ausgemacht und ist im Vergleich zur entsprechenden Periode des Vorjahres um 31,9% gestiegen, der Import betrug US$ 354,8 Mio und ist um 1,3% gesunken.

Zum allgemeinen Problem der belorussischen Wirtschaft ist eine sich ständig verschlechternde Lage der wirtschaftenden Subjekte und der Bevölkerung geworden. Das kann man sowohl auf dem Makrtniveau als auch in Betrieben nachvollziehen. Der Anteil am BIP-Bilanzgewinn betrug 21,7% gegenüber 22,5% im Januar-Oktober 1999. Im realen Ausdruck ist der Gewinn vom Produktionsabsatz um 16,5% gesunken.

Zu einem akuten Problem der Mehrheit der Betriebe ist die Verfügbarkeit über das Umlaufkapital geworden. Zum 1. Oktober 2000 betrug die Verfügbarkeit der Betriebe über eigene Umlaufmittel insgesamt in der Wirtschaft 14,1%, darunter in der Industrie 11% bei der Norm 30%. Dementsprechend verfügten über keine eigenen Umlaufmittel 2.447 Betriebe und Unternehmen (oder 21,5% von der Gesamtanzahl), darunter in der Industrie 641 Betriebe oder 27% davon.

Bei einer niedrigen Rentabilität (im Laufe von 10 Monaten hat sie insgesamt in der Wirtschaft 12,8% gegenüber 15,1% im Januar-Oktober 1999 ausgemacht) und einem unzureichenden Gewinn sind Kredite für laufende Tätigkeit stärker erforderlich geworden. Zum 1. November 2000 sind die Reste von Anleihen für diese Zwecke im Vergleich zum Jahresanfang um's 3-fache gestiegen, wobei die Investitionen nur um`s 2,6-fache gestiegen sind.

Die jahresdurchschnittlichen Prozentsätze der Kommerzbanken für die ausgestellten Rubelkredite haben im Oktober vorigen Jahres 62,8% gegenüber 73,2% im Januar 2000 betragen. Diese Reduzierung der Prozentsätze ist aber noch sowieso schwer erträglich für die Mehrheit der Betriebe und führt zu einem Zuwachs an der allgemeinen Verschuldung.

Die Debitorenverschuldung ist seit dem Jahresanfang um`s 3,2-fache gestiegen, die Kreditorenverschuldung dementsprechend um`s 3-fache. Die Geldmittel der Betriebe auf den Konten der Banken sind für die entsprechende Periode nur um`s 2,4-fache gestiegen bei der Steigerung der Verbraucherpreise um 187,3% und der Preise der Produzenten der Industrieproduktion um 240,2%.

Analytische Gruppe des Belorussischen Unternehmer- und Arbeitgeberverbands namens Prof. Kunjawski (BUAV)


24. Januar 2001

Information über die Direktinvestitionen in die Republik Belarus

Nach Angaben des Ministeriums für Statistik und Analyse der Republik Belarus (RB) betrug die Anzahl der angemeldeten Unternehmen mit ausländischen Investitionen 2807 - darunter 1688 Joint Ventures (JVs) und 1119 ausländische Unternehmen (AUs) – Stand vom 01.07.2000.

Das erklärte Stammkapital aller JVs und AUs beträgt US$ 732 Mio, der Anteil des ausländischen Kapitals entsprechend US$ 466 Mio. An den Unternehmen dieser Kategorie sind ca. 72,5 Tsd. Menschen beschäftigt (oder 1,5% aller in der Wirtschaft Beschäftigten).

Zu den größten Investoren (nach Ergebnissen der Tätigkeit der JVs und AUs im Jahre 2000) gehören die USA (25,1%), die Niederlande (19,7%), Deutschland (16,7%), Zypern (5,6%), Polen (5,02%), Österreich (4,2%), Irland (2,8%), Großbritannien (2,8%) und Italien (2,8%).

Zweigmäßig nehmen den größten Anteil Industrie (75,8%), Handel und gemeinschaftliche Speisewirtschaft (9,6%), sowie Verkehrswesen (5,4%) ein. Der Landwirtschaft werden nach wie vor weniger als 1% der Gesamtinvestitionen zugewiesen. Außerdem heben sich Post- und Fernmeldewesen (2,7%) und Bauwesen (1,2%) aus. Unter den Industriezweigen sind hervorzuheben: Nahrungsmittelindustrie (56,3%), Maschinenbau und Metallbearbeitung (14,2%), Holzverarbeitung (6,7%), pharmazeutische Industrie und medizinischen Gerätebau (5,6%), Leichtindustrie (5,3%) und chemische Industrie (5,2%).

Regionalmäßig haben sich die direkten ausländischen Investitionen folgendermaßen verteilt: Gebiet Minsk - 31,44%, Gebiet Gomel 30,37%, Stadt Minsk 24,37%, Gebiet Brest - 4,35%, Gebiet Witebsk - 3,81%, Gebiet Mogiljow - 3,4%, Gebiet Grodno - 2,26%.

Außenhandel von JVs und AUs

Nach Angaben des Ministeriums für Statistik und Analyse der RB sind im Laufe der 1. Jahreshälfte 2000 von Unternehmen mit ausländischen Investitionen die Waren zu einem Betrag von US$ 341,5 Mio (oder 9,7% vom Gesamtvolumen der Republik) exportiert und entsprechend zu einem Betrag von US$ 302,5 Mio (7,3%) importiert.

Dabei stiegen im Vergleich zur 1. Jahreshälfte des Vorjahres die Exporte um 53,5% (die Gesamtexporte der Republik stiegen um 24,3%) und die Importe entsprechend um 34,08%. Der Außenhandelsumsatz ist um 52,5% gestiegen. Der Anteil der investierten Ausrüstungen im Import betrug in der 1. Jahreshälfte 2000 ca. 7%, im Export - 8%. In der 1. Jahreshälfte 2000 hat der aktive Außenhandelsaldo in Höhe von US$ 38,993 Mio ausgemacht.

Investitionsprojekte

Belarus arbeitet mit den weltbekanntesten Produzenten - transnationalen Korporationen erfolgreich zusammen. Gegründet sind beispielsweise die JVs: mit dem deutschen Konzern «MAN» (Herstellung von Personenkraft- und Nutzfahrzeugen), dem holländischen Unternehmen «Coca-Cola» und dem amerikanischen «McDonalds» (Herstellung von alkoholfreien Getränken und gemeinschaftliche Speisewirtschaft), dem dänischen «Maersk Medical» und dem deutschen «Fresenius» (Herstellung von medizinischen Geräten und Ausrüstungen), dem schweizerischen «SB Telecom» und dem deutschen «Alcatel SEL» (mobile GSM-Fernmeldesysteme und Herstellung von Kommutationsausrüstungen), den deutschen Unternehmen «BASF» und «Siemens» (Herstellung und Vertrieb elektronischer und Haushaltstechnik, sowie von medizinischen Ausrüstungen). Die Auslandsinvestitionen nur in die o. e. Projekte betrugen über US$ 200 Mio.

Ungeachtet der vorhandenen Probleme haben zwei Drittel von JVs und AUs ihre Präsenz auf dem belorussischen Markt ausgebaut. Als besonders krasses Beispiel der Interessiertheit ausländischer Gesellschaften an bestimmten Wirtschaftssektoren dient die Schuhindustrie. In diesem Zweig sind die Unternehmen «Salamander», «Evimex», 5 JVs auf der Basis der Produktionsvereinigung «Lutsch» präsent.

Von realem Interesse an unserem Land zeugen die Investitionsangebote seitens ausländischer Gesellschaften und Unternehmen, u. a. der deutschen Firma «Stotz», die vorhat, eine ganze Kollektivwirtschaft zu pachten und dort Herstellung von diversen Produkten zu organisieren, oder Gründung eines «holländischen Dorfes» zum Anbau von landwirtschaftlichen Pflanzen, sowie Gründung eines JV zur Möbelherstellung unter dem gut bekannten Namen «IKEA».

Stand: 22.01.2001 Wir danken der Repräsentanz der deutschen Wirtschaft in Belarus und insbesondere Herrn Augustinski für die Information

Republik Belarus / Weissrussland
© Jörg Müller