Allgemeine Informationen zu Weißrußland

Jahrhundertelang war Weißrussland stark umkämpft, verwüstet und geteilt durch Russland, Polen, Littauen und im ersten und zweiten Weltkrieg auch von Deutschland.

Nach siebzig Jahren Zugehörigkeit zur Sowjetunion erklärte Weißrussland seine Unabhängigkeit im August 1991.

Dennoch hat Weißrussland enge ökonomische und politische Beziehungen zu Russland, mehr als zu anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Am 25. Dezember 1998 unterzeichneten der russischePräsident Boris Jelzin und der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko verschiedene Vereinbarungen (Abkommen) , die das Ziel ökonomischer und politischer Zusammenarbeit verfolgen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der staatlichen Souveränität.

Geographische Lage

Osteuropa, östlich von Polen gelegen.
Fläche: 207.600km² ( Deutschland im Vergleich: 356.910)
Bevölkerungszahl: im Juli 1999 :10.401.784 Einwohner
Hauptstadt: Minsk
Einwohner der Hauptstadt: 1.633.000
Städte/Einwohner: Gomel (Homel): 503.000
Witebsk: 369.000
Mogilev: 363.000
Sprachen: Weißrussisch / Russisch Währung: 1 Belarus - Rubel (BRB) = 100 Kopeken Landesgrenzen: Die gesamte Grenzlänge ist 3.098 km. Angrenzende Staaten sind Russland ( 959km), Littauen (502km), Lettland (141km), Polen (605 km), Ukraine (891km) Klima: kalte Winter, kühle und feuchte Sommer,
schwankend zwischen Seeklima und Kontinentalklima
Gelände: im allgemeinen flach und sumpfig Höhe: Der höchste Punkt sind die Dseschinskaja Hara ( Berge bzw.Anhöhe)
Die höchste Erhebung in Weißrußland wird mit 356 m Höhenmetern angegeben.
Der niedrigste Punkt ist der Nyoman Fluss mit 90 Höhenmetern
Naturrohstoffe: Wälder, Torfablagerungen, wenige Mengen Öl und Gas, Nutzfläche: Ackerland 29%,
Pflanzen 1%,
Weideland 15%,
Wald und Forstgebiete 34%,
andere Flächen 21%,
Bewässerungsfläche 1000km²,
aktuelle Umweltstatistik: Bodenverschmutzung durch Pflanzenpestizide, Wetterveränderung,
südliche Teil des Staates verseucht durch den radioaktiven Niederschlag des Atomunfalls 1986 in Tschernobyl (Nordukraine)
Altersstruktur:
männlich weiblich
0-14 Jahre 19% 1.027.974 985.342
15-64 Jahre 67% 3.390.552 3.591.245
> 65 Jahre 14% 463.396 943.302
Wachstumsrate der Bevölkerung: -0,09% (1999) Lebenserwartung
Durchschnittlich: 68,13 Jahre
Männer: 62,04 Jahre
Frauen: 74,52 Jahre
Nationalität: Substantiv: Weißrussen
Adjektiv: weißrussisch
Bevölkerungsgruppen:
Weißrussen 77,9%
Russen 13,2%
Polen 4,1%
Ukrainer 2,9%
sonstige 1,9%
Religionen: Russisch-Orthodox 80%,
andere 20% (Römisch-Katholisch, Protestanten, Juden und Muslime)
Sprachen: Weißrussisch, Russisch, andere Alphabetentum: Ab 15 Jahre und mehr können lesen und schreiben
Gesamtbevölkerung: 98%
Davon Männlich: 99%
Davon weiblich: 97%

Weißrußland - eines der Refugien für den Weißstorch

Für viele Menschen ist der "Storch" das Symbol für erfolgreichen Umwelt- und Naturschutz, für Artenvielfalt und eine "intakte" Umwelt. Bei nur wenigen anderen Lebewesen ist eine ähnliche Anteilnahme der Bevölkerung bei Ausbleiben von Horstpaaren, erfolglosen Brutversuchen, Verlusten unter den Jungstörchen, Errichten von Kunsthorsten und erfolgreichen Wiederansiedlungen zu verzeichnen, wie bei Weißstörchen.

Der Weltbestand der Weißstorchbrutpaare ist territorial auf Europa, Nordafrika und (in einer Unterart) Zentralasien beschränkt . Während bis 1984 bei Bestandserfassungen in fast allen Populationen dieses Vogels ein dramatischer, lang anhaltender Rückgang der Brutpaarzahlen zu verzeichnen war, erwies sich die osteuropäische Population (Brutpaare von Polen, Ukraine, Weißrußland, Lettland, Estland und Litauen) als stabil mit teilweise sogar leicht zunehmender Tendenz. Bestandserhebungen (Zählungen, Schätzungen und Hochrechnungen der Brutpaare) aus den Jahren 1994/95 erbrachten für das Gesamtverbreitungsgebiet von Ciconia ciconia eine Umkehr des negativen Trends. Der Bestand nahm im Zeitraum von 1984 (135 000 Horstpaare) bis 1994/95 (166 000 Horstpaare) um etwa 23 % zu.

Zwei Drittel der Zunahme des Weltbestandes ist auf die Entwicklung der osteuropäischen Weißstorchvorkommen zurückzuführen.

Diese insgesamt erfreuliche Entwicklung darf aber nicht darüber hinweg täuschen, daß zum Beispiel die Zahl der Brutpaare in der BRD, trotz einer Zunahme (1984: 3371, 1994/95: 4063 ), nicht einmal die Hälfte der von 1934 erreichte. Ist dies nun Erfolg und Lohn engagierter Naturschutzarbeit? Wohl nur zu einem Teil. Auf Grund von langjährig niedrigen Jungenzahlen pro Horstpaar und dem vorhandenen Mangel an geeigneten Lebensräumen (Feuchtgebiete) für die Brutvögel, kann die Zunahme wohl nur durch Zuwanderung aus stabilen, sich ausbreitenden Vorkommen, wie denen in Osteuropa, erklärt werden. Einige Nachweise für diese Zuwanderung erfolgten durch Beringung.

Die Entwicklung der osteuropäischen Weißstorchpopulation

H o r s t p a a r e

  1984 1994/95
Estland 1378 2650
Polen 30500 40900
Lettland 6273 10600
Litauen 10180 11124
Ukraine 14762 17500
Weißrußland 10337 11807

Voraussetzungen der positiven Bestandsentwicklung der südwesteuropäischen Weißstorchvorkommen sind die sich nach langjährigen Dürreperioden in den Überwinterungsgebieten verbessernden Nahrungsbedingungen. Die Änderungen in der landwirtschaftlichen Flächennutzung in den Brutgebieten der osteuropäischen Weißstorchpopulationen haben sich, wenn auch möglicherweise nur vorübergehend, begünstigend auf den Anstieg der Zahl brütender Störche ausgewirkt.

Der Weißstorch in Weißrußland

In allen 118 Landkreisen Weißrußlands wurden in den Jahren 1994 -1996 Weißstörche festgestellt. Die größte Zahl vorgefundener besetzter Horste betrug in diesem Zeitraum 11807. Nur 354 Brutpaare hatten aus unterschiedlichen Gründen keinen Bruterfolg; Nachwuchs blieb aus.

Da Weißstörche sehr empfindlich auf ökologische Veränderungen im Brut- und Überwinterungsgebiet reagieren, blieben auch in Weißrußland deutliche quantitative Schwankungen im Vorkommen nicht aus. Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Brutperioden von 25 % sind auch in solchen relativ stabilen Populationen keine Seltenheit.

In den zurückliegenden 3 Jahrzehnten wurde das Minimum mit 10337 Brutpaaren 1984/85 registriert , während 1990/91 mit 13298 die größte Anzahl besetzter Horste gezählt wurde.

Fast 6 Paare pro 100 km2 betrug die Brutdichte im Landesdurchschnitt.

Der Anteil von Bruten auf Bäumen und Gebäuden ist rückläufig, während der Anteil von Horsten auf Strom- und Telefonmasten zunahm.

Über einige der aufgesuchten Horste liegen Angaben zur Zahl der ausgeflogenen Jungstörche vor:

  1994 1995 1996
Anzahl kontrollierter Horste 139 89 43
durchschnittliche Anzahl ausgeflogener Jungstörche ~2,8 ~2,7 ~2,9

Über die Bestandsentwicklung des Jahres 1997 und danach liegen noch keine Daten vor. In diesem Jahr kam es europaweit zu einem Rückgang des Brutbestandes vom Weißstorch.

Qu: nach einer Zuarbeit vom NABU Deutschland, bearbeitet von Gunther Schmiedchen (W.-Gölzau)


Republik Belarus / Weissrussland
© Jörg Müller